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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 98)

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pfuschen, damit man an den Hochschulen davon frei und erlöst wäre?! - 
Was dann die Combination betrifft, die hier vorgeschlagen wird, so hat Springer 
geglaubt, der Historiker sei der geeignete Mann, diese Dinge zu tractiren. 
Allein ich bin der festen Ueberzeugung, dass er der nicht ist. Die Herren 
verhalten sich indifferent, ja ablehnend gegen die Kunstwissenschaft. Sie haben 
sich eher Mühe gegeben, die Kunstgeschichte als ein obligatorisches Fach an 
den Hochschulen nicht aufkommen zu lassen. -- Die Ansicht dagegen, die 
wir eben im Namen des Professor Egger gehört haben, hat allerdings etwas 
für sich. Allein es ist dies eine so individuelle Frage, es ist so unsicher, ob 
der Lehrer der deutschen Sprache hierfür der rechte Mann ist, dass man un- 
möglich den Wunsch äussern kann, es möge immer der Professor des Deutschen 
mit dem kunstgeschichtlichen Unterrichte beauftragt werden. Es ist wohl vor- 
zuziehen, das Minimum, das überhaupt gegeben werden darf, durch den be- 
treffenden Hauptlehrer oder den Lehrer der Philologie vermitteln zu lassen, 
der dergleichen mit dem Vortrage über Sophokles verbinden kann. Es ist 
immer einfacher, bei der betreHenden classischen Literatur auch das Nöthige 
über classische Kunst einfiiessen zu lassen. Man soll aber nur so viel auf 
das Gymnasium bringen, wie zum Verständniss des Anderen nöthig ist; man 
würde sonst die Erfahrung machen, dass die Dinge nur Vergnügen der Zu- 
hörer sein würden. - Springer hat ein ausführliches Recept in Bezug auf den 
Gang des Unterrichts gegeben. Die Anschauung Springers über orientalische 
Kunst kann ich aber durchaus nicht theilen. Es würde meines Erachtens durch 
ein eingehendes Vorlegen von Anschauungsgegenständen nur höchstens ein 
stoffliches Interesse erweckt werden; man würde es aber zu einer künstlerischen 
Anschauung, zu einem stylistischen Verständniss nicht bringen können. Es 
würde ganz unnütz sein, den Styl aus Rafaelischen Tapeten zu dociren. - 
Mein Antrag geht dahin: den Kunst- und ästhetischen Unterricht an den 
Mittelschulen möglichst auf das zum literarischen Verständniss Nothwendige 
zu beschränken, in der Hauptsache aber diese Dinge den Hochschulen so viel 
wie möglich intact vorzubehalten. 
Custos Bucher (Wien): Um ein wenig zu zeigen, wie es in diesen 
Dingen factisch auf Schulen bestellt ist, erlauben Sie mir, Ihnen einige Proben 
aus einem Versuche, die Kunstgeschichte als Anhängsel an die Geschichte in 
die Schulen einzuführen, mitzutheilen. lch bin auf dieses Buch, das einen 
Wiener Gymnasial-Professor zum Verfasser hat und vom Ministerium den 
Schulen zur Annahme empfohlen worden ist, aufmerksam geworden durch die 
Frage einer Person, was ein Keilbogen wäre. lch habe die von der Kunst 
handelnden Abschnitte dieses Buches in Folge dessen durchgesehen. Es fängt 
hier also z. B. in der Geschichte des Mittelalters der Abschnitt von der Kunst 
folgendermassen an: wDie wichtigsten Werke der Kunst sind die Kirchenu u.s.w 
(Redner giebt eine an's Unglaubliche streifende und vom Congresse mit starrem 
Staunen, zum Theil auch mit hellem Lachen aufgenommene Blüthenlese aus 
den Belehrungen dieses Buches über das Wesen und die Werke der Kunst. 
Dann fahrt er fort:) Es genügt das, um ahnen zu lassen, was ein Buch dieser 
Art, in die Hände eines gänzlich unvorbereiteten Schülers gegeben, fiir Schaden 
anrichten kann, welche Erfolge ein Kunstunterricht in dieser Form haben kann. 
Dr. Dobbert: Ich glaube, dass wir bezüglich des kunstgeschichtlichen 
Unterrichtegan Mittelschulen einen Unterschied machen müssen zwischen den 
gegenwärtigen Zuständen und denen der Zukunft. Es ist ganz gewiss, dass 
heutzutage nur an wenigen Schulen sich Kräfte finden werden, um den kunst- 
geschichtlichen Unterricht zuverlässig zu ertheilen. Wir dürfen nicht vergessen, 
dass unsere Wissenschaft eine der allerjüngsten ist, deshalb ist sie auch noch
	        

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