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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 99)

Dr. Bruno Meyer: Ich halte mich verpflichtet, vor diesem Anfrage auf 
das Dringendste zu warnen. Wir haben im Laufe unserer Debatten verschie- 
dentlich in der vorsichtigsten Weise die Redner ihre eigene Competenz erör- 
tern und in Frage stellen hören. Wir thun als Congress sehr gut, diesem 
Beispiel zu folgen. Im Congresse werden Viele sein, welche über diese Sache 
zu urtheilen vermögen. Dem Congresse selber aber wohnt in dieser Beziehung 
gar keine Autorität bei, er ist keine Corporation oder gar Behörde, und er 
kann sich durch den geringsten Irrthum in unheilvoller Weise blossstellen und 
die Erfüllung seiner eigensten Aufgaben gefährden, ohne dass dem gegenüber 
die Möglichkeit einer gedeihlichen Einwirkung in der Sache selber steht. Im 
Gegentheil Ilehrt die Erfahrung, dass nur zu nft solche gutachtlichen Aeusserun- 
gen von mehr oder minder cotnpetenten Corporationen dem Mittelmässigen oder 
selbst dem Schlechten einen Curs geben, den es nie gewinnen würde, wenn es 
auf seine eigene Kraft in der allgemeinen Concurrenz angewiesen geblieben 
wäre. Erinnern Sie sich des empfohlenen Buches, mit dem uns vorher Herr 
Bucher bekannt gemacht hat. Ein anderes Beispiel fallt mir aus eigener Erfah- 
rung in Berlin bei, wo die städtische "Schuldeputation sich hat beikommen 
lassen, einer gewissen Zeichenschule, über deren Unwerth alle Einsichtigen einig 
sind, ein günstiges Zeugniss auszustellen. Auf den Fittigen der Reclame geht 
dieses hochobrigkeitliche Beglaubigungs- und Anerkennungszeugniss nun in alle 
Welt, und der Erfolg des schlechten Werkes ist gemacht. Ich muss daher 
bitten, den Congress mit dem Danaergeschenk einer solchen Autorität zu ver- 
schonen und ersuche Sie, den Antrag abzulehnen. V 
Der Antrag fällt ohne weitere Discussion. 
Vor Schluss der Sitzung nimmt Custos Lippmann das Wort: 
Ich stelle den Antrag, als nächsten Congressort für das Jahr 1875 Berlin 
zu wählen. Ich glaube dem weiter nichts hinzufügen zu brauchen, als dass es 
wünschenswerth ist, die Capitale des deutschen Reiches zur Fortsetzung des 
hier begonnenen Werkes zu ersehen. 
Geheimerath Schöne: Ich möchte in Bezug auf diesen Antrag mir nur 
erlauben auszusprechen, nicht nur in meinem persönlichen Namen, sondern, 
wie ich fest überzeugt bin, auch zugleich im Namen der Behörden, denen in 
Preussen diese Dinge zur nächsten Sorge anvertraut sind, dass die Herren in 
Berlin auf das Allerherzlichste willkommen geheissen, und dass es in Berlin 
mit hoher Freude begriisst werden würde, wenn der Antrag angenommen würde. 
Prof. Reber: Ich habe gegen Berlin nicht das Mindeste vorzubringen. 
Aber es gibt doch eine Erwägung, die man berücksichtigen muss: es geht 
immer im Herbst eine Strömung gen Süden, und es würde daher vielleicht 
erwünscht sein, den Congress diesem Zuge folgen zu lassen. 
Custos Bucher: Ich will gegen Herrn Prof. Reber nur daran erinnern, 
dass es bei all solchen Versammlungen ganz gewöhnlich ist, zwischen Norden 
und Süden abzuwechseln. 
Prof. Woltmann: Ich will nicht über den Congressort sprechen, als 
der mir Berlin beinahe selbstverständlich erscheint. Ich möchte nur die Frage 
anregen, eventuell in Form eines positiven Antrages, ob es nicht vielleicht vor- 
theilhaft wäre, es dem Präsidium zu überlassen, in welcher Jahreszeit die Ein- 
berufung des Congresses Statt finden soll. 
Als nächster Congressort (für das Jahr 1875) wird fast mit Einstim- 
migkeit Berlin angenommen; als die Zeit der Zusammenkunft daselbst 
wird das Ende des September oder der Anfang des October bestimmt. 
Schluss der Sitzung 1'], Uhr.
	        

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