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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 99)

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Botaniker, Chemiker und Mathematiker und alle möglichen anderen Forscher 
bedürfen auf Tritt und Schritt des Zeichnens, wenn sie nicht jeden Augenblick 
rathlos dastehen wollen. Der Zeichenunterricht an der Hochschule hat aber 
eminent praktische Ursachen, und deshalb sollte man sich hier für seine Ein- 
führung aussprechenf Auf eine Berücksichtigung eines solchen Versuchs ist 
uru so mehr zu rechnen, als in diesem Falle die Naturwissenschaften mit den 
historischen Disciplinen in denselben Bedürfnissen zusammentreffen. Was 
Oesterreich betrifft, so wird hier gegenwärtig, wie schon bemerkt, ein allge- 
meiner Zeichenunterrichtsplan durchgeführt, der auch die Hochschulen mit um- 
fasst. Es wäre nun wünschenswerth, wenn zunächst besonders diejenigen Mit- 
glieder des Congresses, die an Hochschulen unterrichten, das Wort ergreifen 
und ihre Meinung äussern wollten. 
Prof. Conze: Ich glaube, dass die Studenten, da das Zeichnen grössten- 
theils ein wesentliches Erforderniss für sie ist, deshalb es zu lernen haben, 
ehe sie zur Universität kommen, und dass es hier genügen muss, denjenigen, 
die nichts oder nicht Genügendes gelernt haben, Gelegenheit zur Nachhilfe zu 
gewähren. Sonst kommt man in dieselbe Lage wie die dalmatinischen Stu- 
direnden hier mit dem Dentschlemen. Sie kommen gerade so weit, dass sie 
das Erlernte mit Fertigkeit anwenden können, wenn ihre Studienzeit zu Ende 
ist. Es liegt also hier umgekehrt wie vorher: dieser Unterricht ist vielmehr 
den Mittelschulen zu überweisen und die Universitäten sind damit zu versehenen. 
Prof. Unger (Göttingen): Erlauben Sie mir aus meiner Erfahrung einen 
Fall anzuführen. ln Göttingen hat vor ungefähr 10 Jahren der dortige Anatom 
das Bedürfniss gefühlt, einen Zeichenlehrer zu haben, der zunächst bestimmt 
war, ihm die Zeichnungen zu seinem anatomischen Buche zu machen, aber 
auch zugleich einen unentgeltlichen Zeichenunterricht zu geben. Natürlich wird 
dieser nur von denen benützt, die von dem Anatomen dazu angereizt werden. 
Es ist selbstverständlich, dass, wie mein Herr Vorredner gesagt hat, ein früherer 
Zeichenunterricht auf der Schule eigentlich dabei vorausgesetzt werden muss. 
Indessen eine solche Nachhiilfe kann gerade Hir einzelne Fälle sehr wünschens- 
werth sein. Und die Thatsache ist, dass er immer von Einigen benützt wird. 
Prof. Conze: Ich glaube in Bezug hierauf, dass eine Nachhilfe auf der 
Universität gar nicht nöthig ist, wenn der Unterricht auf der Schule leidlich 
organisirt ist. 
Hofrath v. Eitelberger: Was gegenwärtig hier eingeführt wird, ist das- 
jenige, wovon Prof. Conze gesprochen hat. Allerdings wäre es gut, wenn 
an den anderen Schulen der Zeichenunterricht eben schon so gegeben würde, 
wie es gewünscht wird. Man weiss aber, dass an den Gymnasien gar kein 
oder zu wenig Zeichenunterricht gegeben wird. 
Da nur eine Information beabsichtigt war, gilt der Gegenstand hiermit 
für erledigt. 
Betreffs der Frage 5: 
wWie sind die Lehrmittelsammlungen für Kunstgeschichte ins- 
besondere an polytechnischen Instituten und Universitäten in Städten, 
die keine Museen und Galerien haben, gegenwärtig beschaffen?" 
schlägt der Vorsitzende vor, einen Referenten für den nächsten Congress 
zu bestimmen. Die Versammlung ist damit einverstanden. 
Zur Frage 6: 
i "Welche Stellung hat gegenwärtig die Kunstgeschichte als Lehrfach 
an Universitäten und polytechnischeu Institutenh 
nimmt zunächst das Wort:
	        

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