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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 104)

Die Fussboden-Fragmenle aus Heiligsnkrouz. 
Von den kürzlich hinter dem Hauptaltare im gothischen Chore der 
Heiligenkreuzer Stiftskirche gefundenen Pavimenten sind der "Sarnrnlnng 
des Oesterr. Museums durch Vermittlung des h. Herrn Professors Wilhelm 
Neumann einige Proben überlassen worden. Dieselben gewähren jn 
kunstgeschichtlicher und technischer Hinsicht ein ganz besonderes Interesse. 
Offenbar stammen sie nach der Verschiedenheit der Zeichnung von meh- 
reren Fussböden oder doch von verschiedenen, in dem Muster abwech- 
selnden Compartimenten eines solchen her und gehören der frühgothischen 
oder noch der Uebergangsperiode an. Der Chor entstammt, wie qr jetzt 
vorhanden, nach der häufigeren Ansicht dem 14. Jahrhundert, während 
Andere dafürhalten, dass wir in ihm den 1295 gebauten Chor vor gtns 
hätten. Für unsere Fussboden-Fragmexite dürfte wohl anzunehmen sein, 
dass sie dem letzteren angehört haben. Ihrem Charakter zufolge sind es 
keine eigentlichen Fliesen, sondern Theile einer mosaikartigen Bedeckung 
des Estrichs. Die Hauptmasse bildet ein sehr fester, cementartiger Mörtel- 
guss von Naturfarbe, in welchen sodann, so lange er noch in weichem 
Zustande war, die einzelnen Bestandtheile des Musters eingedrückt wurden. 
Die Ornamentation ist dabei durchaus eine geometrische; an den vor- 
liegenden Fragmenten kommt der Stern mit vier Zacken, die sechsblätta 
rige Rose und ein stylisirtes ahornähnliches Blatt,vor, Diese Figuren 
einfachster Form sind aus einem vorzüglichen Thonmatetial gebildet, 
welchem jedoch, wie es scheint natürliche, Farbentöne gegeben sind. So 
hat der eine vierspitzige Stern schwarzgraue, der andere rothbraune Fära 
bung, die Rosette ebenfalls und das Blatt den Ton des Kehlheimersteins. 
ln der Figur der Sterne ist ein mittlerer Kern gelassen. welcher bei den 
Sshwarzgrauen in gewöhnlicher Gussmasse gebildet ist und eine dem 
Stern selbst geometrisch ähnliche Figur zeigt, während in den braunen 
ein etwas reicher contourirtes Muster und zwar von stärker geröthetem 
Ton eingefüllt wurde. Die Rasen umschliessen ein einfach kreisrmldes 
Mittelstück von demselben Material, wie es der sie umgebende Mörtel- 
grund aufweist; das betreffende Stück hat deutliche Spuren einer leichten 
Polirung, wodurch den Rosetten ein schöner dunkler Ton verliehen wurde. 
Auch lässt sich an dern Brnche dieses Fragmentes sehen, dass jede R0- 
sette ziemlich tief in den Guss eingedrückt wurde, dabei sind die ein;- 
zelnen von verschiedener Dicke, 6'" bis i". Ihr Körper spitzt sich kegel- 
artig nach unten zu. Endlich ist es bemerkenswerth, dass an diesem 
Muster die einzelnen Rosetten nicht symmetrisch, sondern die einen (es 
_sind im Ganzen vier zu bemerken) kleinere, die anderen weitere Abstände 
unter einander haben. 
In gewisser Beziehung das interessanteste und gewiss da; schönste 
ist jenes Blattmuster. Das Material besitzt eine solche Dichte und Fein- 
körnigkeit, dass man ohne genauere Untersuchung sich veranlasst fühlen
	        

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