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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 106)

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über mit reichem , wechselvollem Masswerk bedeckt ist. Er bietet 
dem gothischen Ornamentisten eine Fülle fein combinirter Motive in 
diesem Genre. Auch er gehört wie die übrigen erwähnten Gegenstände 
dem fünfzehnten Jahrhundert an. Aufgefunden wurde er zuletzt in Kärn- 
ten, doch weist die feine Holzmarqueterie, welche die Masswerkfelder um- 
gibt, auf einen mehr südlichen Ursprung jenseits der,Berge hin, wahr- 
scheinlich nach Friaul oder Nord-Italien. Die erwähnten Gegenstände aus 
dem Besitze des Herrn Zelebor sind dagegen deutschen Ursprungs und 
stammen vielleicht aus Franken; doch ist die Art so allgemein, dass 
man wohl unschwer die Zeit, aber weniger leicht den Ort der Entstehung 
bestimmen kann. . 
Die dritte Art der gothischen Möbel, welche unsere Ausstellung ver- 
treten zeigt, ist die seltenste und künstlerisch die höchste. Auch sie hält 
sich Bach mit den Profilen, aber sie schmückt sich mit Reliefs, die wirk- 
lich plastisches Leben haben; das Laub bewegt sich frei und lebendig. 
Auch Figuren treten zum Schmuck hinzu, selbst humoristische, wie das 
eine unserer Beispiele erkennen lässt, hie und da auch Farbe für den Grund 
und vor Allem ein kunstgemässes Eisenwerk. Vertreten ist diese Art ins- 
besondere durch drei Buffet- oder Geschirrkästen (Nr. 35, 37, 39) aus dem 
Besitz des Fürsten Johann zu Liechtenstein, alle drei niederrheinischen 
Ursprungs und vorn linken Ufer des Flusses stammend. Es sind vor- 
treffliche und charakteristische Arbeiten, fein in ihrem Genre, sowohl 
nach ihrem Bau wie nach ihrer Arbeit,_ und höchst selten zu finden. 
Ihnen reiht sich aus demselben Besitz und von derselben Zeit und Her- 
kunft ein kräftiger Tisch mit reichem Eisenbeschläge an (Nr. 44.), der 
namentlich durch die Construction und Ornamentation seines Untertheiles 
interessant ist. Der eingelegte Adler auf der Platte ist später hinzugefügt. 
III. 
Die künstlerische Wandlung, welche das Möbel im Laufe des sech- 
zehnten Jahrhunderts in der Kunstepoche der Renaissance erfuhr, war 
eine sehr durchgreifende. Sie zeigt sich einmal darin, dass der Gegen- 
stand eine reichere Gliederung, ein bewegteres Profil erhält und dass die 
Glieder weiter vorspringen oder tiefer zurückweichen, wodurch eine kräf- 
tige Wirkung von Licht und Schatten entsteht, welche das gothische Mö- 
bel nicht besass. Insbesondere treten die vielfach gegliederten Gesimse 
wie an Palastfacaden heraus, Karyatiden, Säulen und Pfeiler fügen sich 
an und bilden zuweilen, doch schon missbräuchlicher Weise, eine volle 
Architektur. Zum anderen löset sich das Relief-Ornament aus seinem ge- 
bundenen Zustand, in welchem dasselbe von der Gothik gehalten war, 
und verbreitet mitunter ein reiches und bewegtes Leben über das ganze 
Möbelstück. Dagegen fällt das reiche und feine Eisenwerk von Schloss, 
Bändern, Beschlägen und Handgriffen, welche offen daliegend das gothische 
Möbel auszeichneten, in den meisten Fällen und namentlich bei den fei- 
neren Arbeiten hinweg oder es wird in veränderter Gestalt im Inneren
	        

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