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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 107)

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intarsia mit der Florentiner Mosaik, in pietra dura, gibt Nr. 84, Eigen- 
thum des Herrn v. Falbe, ein gutes Muster. lm achtzehnten Jahrhundert 
war es sodann das rothe Schildkrot, welches vor allem zu solchen Arbeiten 
beliebt wurde, sei es in Verbindung mit Ebenholz (Nr. 77, Eigenthum des 
Herrn v. Falbe), sei es mit der Hnlzintarsia oder mit Metall. Aus der 
letzteren Verbindung gingen die berühmten Boule-Arbeiten hervor, davon 
wir in einem Secretär (Nr. 16x) und in einer Commode (Nr. 162) zwei 
glänzende Repräsentanten auf der Ausstellung finden; beide sind Eigen- 
thum des Fürsten Friedrich Liechtenstein. Zu ihnen gesellt sich ein nicht 
minder glänzendes Prachtstück, welches von dem Gemisch aller der ver- 
schiedenen Arten, von der Verbindung von Schildkrot, Metall, Elfenbein, 
Holzmarqueterie eine vortreffliche ldee gibt. Es ist Nr. 159, ein Cabinet- 
kasten mit kunstvoller innerer Einrichtung und gleichem prachtvollen 
Untergestell, einstmals ein Geschenk der Königin Maria Leszinska von 
Frankreich, gegenwärtig Eigenthum des Fürsten 'August Liechtenstein. 
Eine Zeit, aus der solche Arbeiten hervorgingen, - wir machen sie heute 
wohl auch noch, aber nur als Nachahmung, - mochte sich rühmen, noch 
etwas zu können und noch ihr Eigenes zu haben. Den letzteren Vorzug 
wenigstens hat sich das neunzehnte Jahrhundert bis jetzt noch nicht zu- 
schreiben können. 
' V. 
Wir haben bisher vorwiegend Kästen, Schränke und dergleichen 
Möbelstücke der solideren Art zu besprechen gehabt. Wenn sie nach 
Menge wie Bedeutung in der That den Hauptbestandtheil der Ausstellung 
bilden, so liegt das in der Natur der Sache. In ihrer architektonischen 
Beschaffenheit im Allgemeinen von grösserer und soliderer Art, haben sie 
eben mehr Beachtung gefunden und dem Verderben der Zeit, dem Unter- 
gang durch den Gebrauch besser widerstanden. Was uns die Vergangen- 
heit von Holzrnobiliar hinterlassen hat, gehört überwiegend dieser Classe 
von Gegenständen an. 
Nichtsdestoweniger sind wir keineswegs arm an Sitzmöbeln oder 
sonstigen Geräthen der Vergangenheit. Wenn die Ausstellung sie nicht 
in gleicher Weise vielseitig uns verführt, so wenig nach der Art, wie nach 
der Zeit, so kommt das wohl einerseits daher, dass die Fülle des Vor- 
handenen an grossen Standmöbeln die Räume schneller ausfüllte, als er- 
wartet war, andererseits daher, dass die Entwicklung des eigentlichen 
Sitzmöbels erst später beginnt und bis in die Zeit des Rococo nicht die 
gleiche reiche Entfaltung nahm. 
Das Mittelalter war sehr arm an beweglichem Gestühl; Bänke, die 
meist fest an der Wand waren, und Truhen ersetzten den Einzelsitz. 
Selbst im sechzehnten Jahrhundert ist derselbe noch verhältnissmässig 
selten. Was auf der Ausstellung die Formen dieser Kunstperiode zeigt, 
das ist das sophaartige Sitzgeräth Nr. 4.5 (Eigenthum des Fürsten Johann 
Liechtenstein), das auch in seinen figürlichen Reliefs Reiz und Interesse
	        

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