MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 109)

stimmen: in der Mitte eine grosse Halle, welche sich durch die ganze 
Tiefe des Schlosses zieht, auf jeder Seite zwei Zimmer, zu welchen im 
Zweiten Geschosse noch die Capelle kommt. Dieses zweite Geschoss ist in 
der Einrichtung das ausgezeichnetere; dort befindet sich auch das bereits 
erwähnte "Fürstenzirnmeru, aus welchem eine Thür und ein Theil des 
Täfelwerks sich seit einiger Zeit im Museum befinden. 
Sämintliche Zimmer sind bis zu etwa zwei Dritteln der Wandhöhe 
vertäfelt, darüber befinden sich Temperagemälde biblischen und allegori- 
schen lnhalts, welche durch die Zeit stark gelitten haben. Von Mobiliar 
ist nichts mehr vorhanden. 
Die Hauptbedeutung dieses Schlosses für unsere Zeit besteht in den 
musterhaften Tischler- und Schlosserarbeiten. Thüren und Larnbris sind 
durchgängig in Holzintarsia ausgeführt und haben, was den Reichthum 
der Zeichnung anbelangt, kaum ihresgleichen. V 
Herr Prof. Storck hat durch seine Schüler sämmtliche Holzarbeiten, 
Beschläge, Schlösser etc. aufnehmen lassen und von den Malereien das 
noch halbwegs in gutem Zustande Erhaltene, die Details zum Theil in 
Naturgrösse. 
Die erste mit Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung der 
Kunstgewerbeschule unternommene Excursion darf daher als vollkommen 
gelungen bezeichnet werden. B. 
Zur Geschichte der Spitzenindustrie. 
(Schluss) 
Es würde für den Zweck der vorliegenden allgemeinen Notizen über 
die Entwickelungsgeschichte der Spitzenfabrication in den industriellen 
Districten des südlichen und nordöstlichen Europa zu weit führen, wenn 
an dieser Stelle noch das Weitere über die Spitzenfabrication in Schles- 
wig-Holstein, Schweden und Dänemark berichtet werden sollte. Ausführ- 
liches befindet sich in dem vorhergedachten Werke von Bury Palliser. 
Kaum hatte sich in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhun- 
derts auf dem Gebiete der Spitzenindustrie, bei dem ungeheuren Ver- 
brauch, den für kirchliche und profane Zwecke die dentelles und guipures 
in allen Classen der Gesellschaft fanden, der Einfluss des überladenen 
Rococostyles in Bezug auf Composition und Dessins in einer Weise gel- 
tend gemacht. dass meistens nur platte und nichtssagende Musterungen 
den Markt überschwemmten, da traten am Ende des vorigen Jahrhunderts 
zwei Momente ein, die der früheren fast krankhaften Vorliebe für An- 
wendung von kostbaren Spitzen eine Grenze setzten. Wir meinen die 
Erfindung des Webestuhls für mechanisch angefertigte Spitzen und ferner 
den Anfang und Durchbruch der französischen Revolution in Frankreich 
und den angrenzenden Ländern, der tausend und abermals tausend Heissige 
Hände bei der Spitzenfabrication erlahmen machte.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.