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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 111)

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Ouallanschrihen. 
Von den Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des 
Mittelalters und der Renaissance sind im Laufe des Jahres 1874 abermals 
zwei Bände publicirt worden. Der erste enthält die Ausgabe des Textes 
und der Uebersetzung von Theophilus Schedula diversarum artiurn, von 
A. llg. Auf den Vorarbeiten einer Reihe von Jahren basirend, umfasst 
diese Puhlication, welche indess nur den ersten Theil der diesem wichtigen 
Kunstschriftsteller gewidmeten Arbeit bildet, den zum Theil nach neu 
collationirten, zum Theil nach zum ersten Mal berücksichtigten Hand- 
schriften revidirten Text mit Angabe sämmtlicher Varianten, sowohl der 
Manuscripte als der bisherigen Editionen, dazu die gegenseitig gedruckte 
Uebersetzung, ferner eine ausführliche kritische Erörterung über das Ver- 
hältniss der Handschriften unter einander und ihren Werthunterschied, 
eine Hypothese über Person und Lebenszeit des unbekannten Verfassers 
und endlich einen Anhang, welcher die Fragmente aus den sonstigen 
Schriften des Theophil zusammengestellt bietet. 
Dem Theophilus sind angeschlossen Text und Uebersetzung eines 
von dem Professor der classischen Philologie an der Universität in Bern, 
Dr. Hermann Hagen, in der dortigen Bibliothek der Hochschule ent- 
deckten anonymen Tractates über die technische Anwendung der Eitem- 
pera für Herstellung von Miniaturmalerfarben aus dem n. Jahrhundert. 
Dieser Tractat ist Fragment, hat jedoch durch seinen seltenen Inhalt 
einen nicht geringen Werth auch in praktischer Beziehung für die noch 
immer blühenden Kunstzweige der Miniaturmalerei und Kalligraphie in 
höherem Sinne; er wurde von Ilg mit einer Abhandlung über die Quellen- 
nachrichten über die Temperatechnik des Mittelalters versehen. 
Für den weiteren Band sind von dem Professor der Kunstgeschichte 
an der königl. Kunstgewerbeschule in München, Dr. J. Stockbauer 
(Herausgeber der nreichen Kapelle-i der k. Residenz), die von ihm im 
k. baierischen Staatsarchiv gefundenen höchst interessanten Correspondenz- 
acten des 16. Jahrhunderts, welche einen grossen Theil der Kunsterwer- 
bungen Herzog Albrecht V. und seines Nachfolgers Wilhelm V. in allen 
Details enthalten, benutzt worden. Diese Urkunden und Rechnungen 
sind von hervorragender Wichtigkeit. 
Mittlerweile wurde an verschiedenen Orten für die Fortsetzung des 
Unternehmens gearbeitet. Dr. Scheins, Professor an der k. Cadetten- 
schule in Berlin, wurde mit der Bearbeitung des nLiber pontificaliurnu 
des Anastasius Bibliothecarius betraut, soweit dasselbe kunstgeschichtliche 
Angaben enthält. 
Von Herrn Dr. Hans Semper in Rom ist das complette Manuscript 
seines sDonatellou eingelangt und kommt dieser Tage unter die Presse. 
Dasselbe enthält zunächst eine erschöpfende, die Resultate der modernen 
Forschung umfassende und insbesondere auf eigener Anschauung des Ver-
	        

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