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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 111)

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Die Versendung geschieht in Oesterreich gegen Postnachnahme von 
17 Gulden österr. Währ. für das Exemplar einschliesslich der Emballage; 
nach dem Auslande gegen portofreie Einsendung des Betrages von 20 H. 
österr. Währ. Für das Exemplar einschliesslich der Emballage. 
Vorletunqen im Museum. 
Am 29. October eröffnete Custos Bucher den diesjährigen Cyclus der Vorlesungen, 
da Director v. Eitelberger durch Unwohlsein verhindert war, wie sonst am ersten Abende 
einen Bericht über die Thatigkeit des Instituts zu erstatten und daran die Besprechung 
allgemeiner Fragen der Kunst zu knüpfen. Gegenstand des Vortrags war die Mosaik- 
malerei. 
Nach kurzer Erklärung des Namens dieser vMalerei für die Ewigkeit-i, wie selbe 
von Ghirlandajo genannt wurde, ging er auf ihre einzelnen Zweige über und skizzirte 
deren Geschichte und geographische Verbreitung vom Alterthume her bis auf unsere 
Tage. Von eingedrückten Steinchen in den Estricb zur Verfestigung desselben ausgehend 
blieb die Mosaik in den classischen Zeiten griechischer Kunst rein ornamental, ohne Licht 
und Schatten und ohne den Figuren den Schein von Körperlichkeit geben zu wollen. 
Später ging der Sinn für diese naturgemässe Beschränkung verloren, einzelne Meister 
machten geschmacklose Kunststücke, wie jener Sosus aus Pergamum mit seinem bekannten 
ungekehrten Speisesaale, oder man ging bis zu förmlicher Nachahmung enkaustischer Ge- 
malde, wie ein solches aus Vespasians Zeit wohl der berühmten Alexanderschlacht aus 
Pompeji (jetzt in Neapel) zu Grunde liegen mag. Dieselbe Ausartung wiederholte sich 
spater vom Renaissancealter bis in die Gegenwart zu dem sogenannten römischen Mosaik. 
Ermöglicht wurde diese Ausdehnung des Gebietes durch die Aufnahme von Glas- 
stiften statt des Mannors in seiner natürlichen Farbe oder künstlich gefärbt. Heutzutage 
verfügt die Anstalt im Vatican über 10.000 Nuancen des hiezu verwendbaren Glasflusses. 
Nach dem Falle des westromischen Reiches war Byzanz mit seiner Prachtliebe 
und Neigung für typische Formen der rechte Boden für das Mosaik. Von dort nahm es 
seinen Weg wieder zurück nach Ravenna und Venedig, und Karl der Grosse berief ita- 
lienische Mosaikkünstler zur Ausschmückung seines Aachener Domes. ln Deutschland 
schlug diese Kunstgattung niemals recht Wurzel, trotz der Byzantinerin Theophanu auf 
dem deutschen Kaiserthrone, und obwohl Karl IV. mehrere Künstler nach Prag beschied, 
die dann vielleicht weiter in's Preussenland zogen, wo noch merkwürdige Denkmäler 
musivischer Kunst erhalten sind. Dagegen wurden im Norden die verschiedensten Arten 
von Fussbodenmusaik, aus Steinplatten, gebrannten und ungebrannten und smaltirten Zie- 
geln etc. gepßegt, und namentlich verbreiteten die Cistercienser die Ziegelmosaik von 
Frankreich nach England, Norwegen und Norddeutschland. So schloss sich der nördliche 
Kreis, während im Süden von Byzanz die arabischen Länder, von diesen wieder die 
Spanier lernten. Der Farbensinn der dortigen Bewohner liebte ganze Hauserfacaden mit 
bunter Bekleidung von Fayencestücken (Azulejo) zu zieren. 
Den gleichen Zweck des Flachenschmuckes erstrebte die sogenannte Plattenmosaik, 
aus grosseren Stücken von Marmor, Porphyr, Serpentin etc. zusammengesetzt. Wohl aus 
dem Oriente stammend gelangte sie in Byzanz zu besonderer Blüthe und spater in Florenz, 
wo diese Kunst heute noch lebt. 
Zum Schlüsse constatirte Custos Bucher, dass nach den Beweisen Engelmann's 
samintiiche sogenannten antiken Reliefmosaiken, die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts 
auftauchten und deren eines", udie Horenl, sich in der Ambraser-Sarnmlung befindet, 
auf moderner Fälschung beruhen. Die Alten kannten diese Gattung von Mosaik nicht. 
in der zweiten Vorlesung - am 5. November - berichtete Professor Conze 
über die Ausgrabungen auf Samothrake, welche er im Verein mit den Herren 
l-lauser und Niemann durch Unterstützung der Regierung und unter dem Schutze der 
kaiserlichen Kriegscorvette i-Zrinyii im Sommer i873 ausgeführt hat. Der Zweck bei der 
Untersuchung jener Trümmerstatten war die Beantwortung der Frage, ob dieselben noch 
einigen Aufschluss geben über jene glänzende Zeit der lnsel. als die heiteren Lichtgott- 
heiten Zeus, Apoll und Athene, unter deren Zeichen die griechische Cultur ihren Sieges- 
leuf über den Erdkreis vollendet hatte. zu erbleichen begannen, der Cultus der unter- 
irdischen Gottheiten mit der Holfnung auf ein besseres Jenseits wieder in den Vordergrund 
trat und bei den Mysterien auf Samothrake eine besovdere Pflege fand. Die Ausgrabungen 
unserer Gelehrten lieferten nun eine überraschende Antwort. Es wurde nämlich der erste
	        

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