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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 111)

productiver Thätigkeit aufzumuntern. Von diesem Gesichtspunkte geleitet, 
hat das Oesterreichische Museum dieWeihnachts-Ausstellung unternommen. 
Die zweite Erwägung, die uns leitete, ist der Absicht entsprungen, 
vori Zeit zu Zeit nebst den permanenten Ausstellungen moderner kunst- 
gewerblicher Producte selbstständige Special-Ausstellungen zu veranstalten, 
bei denen auch die kleineren Producenten zur Geltung kommen können 
oder bei welchen man die Fortschritte kunstgewerblicher Techniker beur- 
theilen kann. 
Solche kleine Special-Ausstellungen sind ganz geeignet, einzelne, we- 
niger bekannte oder nicht genug gewlirdigte Arbeitskräfte kennen zu ler- 
nen und die Fortschritte der Technik zu beurtheilen. 
Wir helfen, bei dieser kleinen Weihnachts-Ausstellung nach beiden 
Richtungen hin einige Beobachtungen machen zu können und hoffen, 
tüchtige Leistungen Einzelner und Fortschritte specieller Techniker con- 
statiren zu können. 
Allerdings ist bei uns der Sinn für die Erhöhung der Leistungsfähig- 
keit nicht so entwickelt, wie es insbesondere in England, Frankreich, Bel- 
gien und Italien der Fall ist. Wenige sind gebildet genug, um die Fort- 
schritte der Technik beurtheilen und WEIIlICD zu können. So haben wir 
in der Behandlung des Emails (insbesondere des transluciden Emails), im 
Ciseliren, in der Kunst des Glasiren des Thones u. s. f. grosse Fort- 
schritte der einheimischen Kunsttechnik auf der österreichischen Abtheilung 
in der Weltausstellung zu registriren gehabt, - ohne dass wir vernom- 
men hätten, die vornehme Welt und die massgebenden Architekten hätten 
von den Fortschritten sonderliche Kenntniss genommen. Wie selten kommen 
Preisausschreibungen von hervorragenden Persönlichkeiten - wie der Ich. 
Waldstein'sche - oder Aulträge der Art vor, wie die des Grafen Edm. 
Zichy, welche die heimische Emailtechnik fördern? Wie wenig Förderung 
erfahren einzelne Techniken oder einzelne Künstler! Dazu kommt noch, 
dass unser Absatzgebiet sich verkleinert, statt sich zu vergrössern. Durch 
das Ausscheiden Oesterreichs aus Deutschland sind österreichische Künstler 
von der Concurrenz fast ausgeschlossen. Das polnisch-österreichische und 
das österreichisch-italienische Sprachgebiet schränkt sich entweder auf die 
engsten Kreise ein, oder ergänzt sich durch das des Königreichs Italien, wie 
die Prager Kunstvereine sich in erster Linie aus München und Düsseldori er- 
gänzen. Frankreich ist nicht blos ein geographischer Begriff, sondern ein 
Machtbegriif, der weit über die Grenzen Frankreichs hinausgreift. Wenn wir 
selbst in Oesterreich uns in einzelne Gebiete zersplittern, so begreift es sich, 
dass der Export Oesterreichs geringer und den einzelnen Talenten es immer 
schwerer wird, sich über die engsten localen Kreise hinaus bekannt zu 
machen. Diesen Schwierigkeiten der Situation können wir, mit unseren 
geringen Mitteln, durch gar nichts anderes begegnen, als wenn wir sor- 
gen, dass die Fortschritte in Oesterreich rasch bekannt werden , und die 
Personen, die sich besonders verdient machen, soviel es geht, mit ihren
	        

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