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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 118)

 
Es liesa sich an diesen Stamm der nicht erhebliche Vorrath älterer Silberarbeiten 
anschliessen, der aber in Verbindung mit den galvanischen Nachbildungen des Hildes- 
heimer Fundes und der Wiener und Londoner Renaissancearbeiten nunmehr ein statt- 
liches Bild der Silberschmiedarbeit älterer und neuerer Zeit entrollt. Dazu kommen 
werthvolle orientalische Metallarbeiten und die in Wandkasten zusammengestellte Samm- 
lung von Schmuckgegenstanden, so dass die zur Aufnahme des Raths-Silberzeuges einge- 
richtete und mit besonderen Sicherheitsmassregeln versehene zweifenstrige Silberkammer 
bereits ganz besetzt werden konnte. 
Das Jahr 1874 brachte ferner - wie bereits oben erwahnt - als Ereigniss von 
grbsster Tragweite den principielleti Abschluss der Verhandlungen über die Ueberweisung 
der kunstgewerblichen Theile der Kunstkammer des Künigl. Museums an das Deutsche 
Gewerbemuseum. 
Mit Erreichung-dieses Zieles ist die erste Periode der Entwickelung des Museums 
abgeschlossen; mit der Uebernahme jener Sammlungen von unvergleichlichem Werthe 
und unerreichbarer Seltenheit tritt das Deutsche Gewerbemuseum in eine neue Phase und 
wird unter ganz veränderten Grundbedingungen innerhalb seiner Sammlungen weiter- 
arbeiten. 
Es mag an dieser Stelle bemerkt werden, dass bei allen Erwerbungen für die 
Sammlung des Museums der Vorrath kunstgewerblicher Arbeiten des Konigl. Museums 
niemals ausser Acht gelassen ist und dass selbst bei kleinen Stücken der Gesichtspunkt 
massgebend gewesen ist, Nichts anzukaufen, was gleich gut oder gar besser in der Kunst- 
kammer des Königl. Museums vorhanden war. 
Durch die Vereinigung beider Sammlungen wird besonders in der Keramik und in 
der Kunstwcberei und Stickerei eine Vollständigkeit erreicht sein, welche eine systemati- 
sche Aufstellung und die Anfertigung von Fachkatalogen u. s. w. ermöglicht und gerade 
für die in neuerer Zeit wichtigsten Kunstgewerbe die ausgiebigsten und musterhaftesten 
Vorbilder darbietet. 
Neben der stehenden Ausstellung der Sammlung fand im Sommer vorigen Jahres 
eine vorübergehende Ausstellung von Leihgaben statt, jedoch nicht von Erzeugnissen 
des Kunstgewerbes, sondern von Künstlerarbeiten, und zwar von Skizzen und Studien 
B er l i n e r A rc hi te k te n u n d M a ler nach Decorations-Arbeiten und Gegenständen der 
Kleinkunst ltaliens. 
Der Besuch der Sammlung hat sich im Jahre 1874 in erfreulicher Weise auf 21.560 
Personen (gegen 4260 im Jahre t 73) gehoben. 
Die Sammlung der Gipsabgüsse umfasste am Schlusse des Jahres 1874 im 
Ganzen 1823 Nummern, von denen 39 im Werthe von 13x Thlr. im Lauf des Jahres hin- 
zugekommen waren. _ 
Die in Abgüssen vertretenen kunstgewerblichen Arbeiten - hauptsächlich Geräthe 
und Gefässe - gehören meistens den mittelalterlichen Perioden der romanischen und 
gothischen Zeit an, während die ornamentalen Arbeiten vorwiegend in das Gebiet der 
Antike und der italienischen Renaissance fallen. - 
Die Bibliothek des Museums ist, trotz des bereits siebenjährigen Bestehens der 
Anstalt, erst im Entstehen begriien. 
Den eigentlichen Stamm derselben bildeten die zum grossen Theil sehr kostbaren 
kunstgewerblichen Werke aua der Bibliothek der Frau Kronprinzessin, welche dem Museum 
während voller fünf Jahre zur Benutzung überlassen waren. 
Da die sehr geringen Mittel, die das Museum wührencl dieser Jahre auf die Ver- 
mehrung der Bibliothek verwenden konnte, meistens zur Anschaffung solcher Bücher be- 
nutzt wurden, welche sich nicht unter den vorbenanntcn Leihgaben befanden, so blieb 
die Bibliothek nach der im Herbst 1873 erfolgten Rückgabe jener geliehenen Werke in 
einem vollig zerrissenen und lückenhaften Zustande, dem nur durch sehr erhebliche -- 
ausserhalb der Mittel des Museums liegende - Erwerbungen abgeholfen werden konnte. 
Der Vorstand sah sich deshalb im Mai v. J. zu einer Eingabe an den Herrn Handels- 
minister genöthigt, in welcher dieser Zustand der Bibliothek dargelegt und unter Nach- 
weis der Hohe dieser Summe die Gewährung eines ausserordentlichen Zuschusses von 
60.000 Thlr. zur Begründung einer in Berlin wie in Preussen überhaupt fehlenden kunst- 
gewerblichen Bibliothek erbeten wurde. Es wurde vorgeschlagen, von dem genannten Be- 
trage im ersten Jahr 20.000 Thlr., in jedem der folgenden 4 Jahre aber to.uoo Thlr. zu 
verwenden. Ein mit ca. 22.000 Thlr. abschliessendes ausführliches Verzeichniss der zu- 
nächst dringlichen und leicht zu crwerbenden Werke folgte der Eingabe und wir sind er- 
freut, heute mittheilen zu können, dass uns für das laufende Jahr vom Herrn Handels- 
minister ro.ooo Thlr. zugesagt sind, durch welche nun bei sparsamer Verwendung die 
dringlichsten AnschalTtmgcn bestritten werden konnen.
	        

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