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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 118)

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Diese Anwendung der Photographie, welche nach unserer Ansicht 
von vielen Mikroskopikern leider zu sehr unterschätzt wird, verdient eine 
eifrigere Pflege, denn unstreitig werden die Beobachtungen, welche mit 
dem Mikroskope gemacht werden, in bleibender Weise und frei von allen 
Fehlern, welche etwa durch Versehen des Zeichners oder durch gewagte 
Annahmen des Beobachters verursacht werden können, fixirt. Ausserdem 
bilden die so gewonnenen Abbildungen ein ausgezeichnetes Demonstrations- 
und Verständigungsmittel bei Vorträgen. Wir sehen auch, dass an anderen 
Orten Botaniker, Physiologen, Pathologen und andere Forscher sich diesem 
Zweige der Photographie mit Eifer widmen, so z. B. Gerlach in Er- 
langen, Girard in Paris, Woodward in Washington. Letzterer hat als 
Mitglied der obersten MilitäraMedicinalbehörde der Vereinigten Staaten 
bereits mehrere Tausende von pathologischen Präparaten aufgenommen; 
eine Sammlung von Abdrücken wurde vor wenigen Wochen der kaiserl. 
Akademie der Wissenschaften vorgelegt. Girard hat in jüngster Zeit 
alle Stadien der Verarbeitung, welche die verschiedenen Rohmaterialien 
bei der Papierfabrication erfahren, zur Illustration seiner Vorträge am 
Conservatoire des arts et metiers aufgenommen. Vielleicht stammt die 
Voreingenommenheit unserer Naturforscher gegen die photographischen 
Aufnahmen mikroskopischer Objecte daher, dass selbe nur solche Photo- 
graphien in Händen hatten, bei welchen der Erzeuger den Störungen, 
welche durch unpassende Beleuchtung entstehen können, nicht gehörig 
zu begegnen wusste, dass ferner die Photographie bei namhaften Vergrüsse- 
rungen eben nur das Bild einer Ebene scharf wiedergibt und selbes nicht 
in der Weise ergänzen kann, wie dies der Beobachter sehr oft für sein 
Auge durch eine geringe Bewegung der Mikrometerschraube des Mikro- 
skopes bewerkstelligt. 
Die Marine-Aufn ahmen waren ein Fach, welches bei uns bisher 
wenig, eigentlich nicht cultivirt wurde, indem an unserer Seeküste, mit 
Ausnahme von Triest, Fiume und Pola, die Photographie noch auf sehr 
niederer Stufe sich befindet. Rottmayer in Triest brachte eine Col- 
lection seiner Aufnahmen von Kriegsschiffen der österreichischen Marine, 
Mioni in Pola eine Vergrösserung der Fregatte Radetzky. Wenngleich 
diese Bilder die ausgezeichneten englischen und amerikanischen Marine- 
Aufnahmen nicht erreichen, so schätzen wir sie dennoch, weil hiedurch 
das Streben beurkundet wird, neue, bisher bei uns nicht gepflegte Gebiete 
zu betreten. Ein eifriges Studium der Momentaufnahmen wird wesentlich 
zur Vervollkommnung dieser Branche der Photographie beitragen. 
Die Vervielfältigung photographischer Aufnahmen ohne 
Silberverbindungen (nämlich Pigmentdruck, Einstaubverfahren, He- 
liogravure, Lichtdruck, Photozinkographie, Photolithographie etc.) finden 
wir durch eine grössere Zahl von Ausstellern und zahlreiche Proben der 
mannigfachsten Art vertreten, und zwar durch die Firmen; Anbei ßr 
Kaiser in Lindenhöhe bei Cöln, Braunek 8: Maier in Mainz, Ph. Crei-
	        

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