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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 119)

JOD 
Arten der Kunsttechnik gar nicht oder doch nur ungenügend auf der 
Ausstellung erschienen sein würden; den Hauptstock haben die königliche 
Familie aus ihrem Privatbesitze, 10 sächsische Städte, 28 Kirchen und 
Klöster, 20 Corporationenx und Vereine und eine grosse Zahl von Privat- 
personen beigesteuert, im Ganzen bei rooo Nummern. 
Eine Thatsache springt dabei sofort in die Augen: abgesehen von 
einzelnen Gegenständen, meist aus geistlichemBesitze, gehört alles dem Zeit- 
alter der Renaissance und den nächstfolgenden Perioden an. Das kann der 
Umstand allein nicht erklären, dass die Prachtliebe Augusfs des Starken 
und seines Nachfolgers die künstlerische Thätigkeit Sachsens vornehmlich 
in Schwung gebracht hat; denn es fehlt ja nicht an Beweisen, dass in der 
Zeit der wirklichen Grösse und Macht des Landes, welche jener Epoche 
eines trügerischen Glanzes voranging, die Fürsten auch Sinn hatten für 
Schönheit und Schmuck des Lebens, und es lässt sich wohl annehmen, 
dass damals, da Sachsen noch ein reiches Land war, auch Adel und Bürger- 
thum einen soliden Luxus entwickelt haben werden. Aber wenn der 
dreissigjährige Krieg fast im ganzen Norden Deutschlands den Wohlstand 
vernichtete und eine Verwüstung hinterliess, deren Spuren die Jahrhunderte 
noch nicht haben tilgen können, so hatte Sachsen ausserdem schon 
vorher durch die Hussitenzüge furchtbar gelitten, und wahrscheinlich 
damals ist zu Grunde gegangen oder weggeschleppt worden, was das Land 
an älteren Kunstarbeiten angesammelt hatte. 
Es ist alles geschehen, um den Besuch dieser Ausstellung auch für 
das grössere Publicum lehrreich zu machen. Eine streng systematische 
Anordnung in Räumen, welche nicht von vornherein für solche Zwecke 
bestimmt gewesen sind, wäre sehr schwierig gewesen, und wie es ja in 
solchen Fällen meistens geht, haben das historisch-technische und das 
malerische Princip sich zu einem Compromiss geeinigt. Ein - zur Zeit 
meiner Anwesenheit leider noch nicht erschienener - Katalog, Arbeit des 
Comitemitgliedes Herrn Architekten Steche, liefert die zur Orientirung 
nothwendigsten Daten über Bedeutung, Zeit und Stil der einzelnen Gegen- 
stände und erfüllt seine Eigenschaft als Führer in musterhafter Weise. 
Ein sauber ausgeführter Grundriss zeigt nicht nur die Schaukästen und 
Tische mit ihren Nummern und die grösseren Ausstellungsobjecte oder 
Gruppen an, sondern auch durch eine rothe Linie mit Pfeilen die Folge 
der Katalognummern, so dass es möglich ist auf einem Rundgange jedes 
Stück zu besichtigen. 
Im ersten Zimmer sind vornehmlich kirchliche Gegenstände aufge- 
stellt, und zwar Möbel, Altargeräthe aller Art, Gewänder, Stickereien 
und Spitzen, Kronleuchter, Glasmalereien, Chorbücher etc. Hier belindet 
sich wie bemerkt Verschiedenes aus romanischer und gothischer Zeit an 
Kelchen, Reliquiarien u. dgL, namentlich ein romanischer vergoldeter 
Speisekelch ähnlich dem berühmten von Wilten. Besonders anziehend 
und wichtig aber ist eine Sammlung von nachweislich sächsischen Buch-
	        

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