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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 110)

sind_ doch die! erfreulichsten BeweiseJür den ausgedehntenJRufi der 
Anstalt, ihre internationalehochangesehene Stellung._ 1 -1 ,. .1 H: v1 
Fast kein, Fachmann, kein kunsyliehender Touristupassirtlnnabruck; 
ohne die Glasmalerei zu besuchen, Mund, jeder erstaunt tibernden grossa 
artigen Wurf, womit sie angelegt, über die Mustergiltigkeit jhrenEins 
richtung. Sie hat keine packenden Schaustücke parat, den-Besucher zu 
frappiren, was geradein Arbeitoder fertig, wird in Fragmenten. gezeigt, 
denn alles soll so gemacht sein,- als gälte es damit eine-Ausstellung an 
beschicken. , _ , _ . . ".1 . V I 
v Es wäre zu ermüdend und wenigdankbar, alle die Fenster aufzu- 
zählen, welche in diesem Jahre die Tiroler Glasmalerei nach allen Rich- 
tungen hin geliefert hat; es dürften im Ganzen gegen zSo sein, von der 
einfachsten Bleizeichnung mit Tongläsern angefangen bis zumreichsten 
spätgothischen Kathedralfenster mit liguralischen Compositionen, giymn 
ganzen Stück heiliger Geschichte, einem Musterbuche von Omamentik 
und architektonischen Formen, einem berauschenden Farbenconcerte, wie 
es üppiger nicht gedacht werden kann. ' . . 
Alle Style waren vertreten, vom byzantinischen biszum iRococo, und 
oft genug war das schwer lösbare Problem gestellt, für styllose oder 
stylistisch corrumpirte Kirchen passende, aber doch correctere Glas- 
malereien zu machen. Unverkennbar bewies die zunehmendeMenge von 
Kunstverglasungen für Renaissancebauten, dass man auch dafür den 
Ton dem kalten Weiss, die gezeichneten odergemalten Scheiben den 
glatten Flächen vorziehe. .. 
Vielleicht die schönste Leistung auf diesem Gebiete sind die in die 
Stiftskirche von Gries gelieferten Glasmalereien der Lünetten und der 
Facadenfenster, die in aller Einfachheit, in so bescheidener aber geschmack- 
voller Zeichnung (vom Maler F. Spörr), bei aller Oekonomie der Farbe 
und Vorherrschen eines warm grünlichen Localtons ungemein günstig" 
wirken. Die Oelgemälde und Fresken Knollefs daselbst sind durch dies 
weichgebrochene Licht wie von Lasuren überhaucht, das ganze Interieur 
hat Stimmung bekommen. 
In allernächster Zeit erhält die Pfarrkirche zu Kaltern die ersten 
vier figuralischen Fenster ebenfalls in Renaissance nach Zeichnungen 
von Professor Stolz. Die Figuren sind weiss auf Heischgelbem Grunde, 
der Rahmen mehr in Töne als pure Farben gelegt, die nur wie Knoten- 
punkte sparsam hineingeworfen sind. 
Ein heiterer Farbenaccord war durchaus in den Renaissancefenstern 
angestrebt; die leichten Töne unter sich oder mit Weiss wechselnd 
machten mit den Figurationen der Bleilinien eine ganz noble Wirkung. 
Unter den Arbeiten für Private verdienen die Oberlichten des Haupt- 
entree's des Treppenhauses und der Nebentreppen für das Palais des 
Ritter v. Schrnitt in Böhmisch-Aicha, nach Entwürfen Avanzds, besondere 
Erwähnung; an sie reihen sich noch zwei Glasgemälde für das Spiel-
	        

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