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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 113)

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vor, nicht reich in dem Nebenwerk, aber von guten, gesunden, mittel- 
alterlichen Formen, und ausserdem finden wir noch zwei ganz vortreff- 
liche Bischofsringe mit reichen gothischen Motiven, nach Zeichnungen 
von Lippert. Sie sind freilich die kleinsten Gegenstände in dieser Col- 
lection; um so mehr ist es nöthig, auf sie aufmerksam zu machen. 
Die bedeutendste Collection Silberarbeiten, welche die Weihnachts- 
Ausstellung "enthält, ist diejenige von Conraetz 81 Reuter. Es sind 
vorzugsweise Gegenstände zur Zierde der Tafel, eine grosse Blumenschale 
als Mittelzierde des Tisches, Armleuchter, Schalen und Vasen, Kannen, 
Flaschen und kleinere Gefässe. Sie alle tragen einen gemeinsamen, höchst 
anerkennenswerthen Charakter darin, dass sie durchgängig von guter 
Zeichnung sind, die alles Wilde, Willkürliche und Capriciüse, wie es 
immer noch auf Tisch und Tafel regiert, von sich abweist. Das Streben, 
das sich hierin ausnahmslos ausspricht, erweckt ein entschieden günstiges 
Vorurtheil für dieses Etablissement. Ebenso gemeinsam aber erscheint 
allen Gegenständen eine ungünstige Behandlung der Oberfläche des Sil- 
bers, das wie Blei aussieht. Wir haben über diesen Punkt, der die öster- 
reichischen Arbeiten auf der Weltausstellung charakterisirte, schon damals 
ausführlich gesprochen und wollen das Gesagte hier nicht wiederholen. 
Doch ist es nicht blos die gute Zeichnung, welche an den Arbeiten 
von Conraetz öt Reuter riihmend hervorzuheben ist. Wir sehen bei ihnen 
auch Versuche, welche die künstlerische Technik erweitern. Einer der- 
selben besteht darin, Glasgefässe auf galvanischem Wege mit Silberorna- 
menten zu umspinnen. Ohne Zweifel wird sich mit diesem Verfahren auf 
verhältnissmässig leichte Weise manches reizende Werk hervorbringen 
lassen; das Beispiel aber, welches uns vor Augen steht, eine dunkelblaue 
Flasche, mit-breitem Ornament netzartig umzogen, ist nicht als gelungen 
zu betrachten. Als Vorbilder oder zum Studium dürften vielleicht die 
indischen oxydirten Zinngefässe mit aufgeschlagenen Silberornamenten 
dienen oder auch manche Gegenstände aus der Zeit von Louis XV. und 
Louis XVL, mit zierlichen naturalisirenden Gehängen und Festons. 
Eben so wenig erscheint ein anderer Versuch gelungen, derjenige 
nämlich, jenes reizende Rothbraun Christofle's zu imitiren, mit welchem 
derselbe in Nachahmung chinesischer und japanischer Vorbilder in Ver- 
bindung mit Silberornarnenten die reizenden Effecte tauscbirter Arbeiten 
erreicht hat. Der Versuch ist entschieden anerkennenswerth, denn warum 
sollen wir den französischen Arbeiten diesen Vorzug lassen? Aber das 
Beispiel, das uns Conraetz S! Reuter vor Augen führen, trlibbraun in 
seiner Färbung, steht leider an Wohlgefälligkeit noch weit hinter den 
Vorbildern zurück. Sind aber so manche Versuche gelungen und hat die 
österreichische Kunstindustrie in den letzten Jahren so manchen Vor- 
sprung Frankreichs eingeholt oder diesen wenigstens verringert, so wird 
es mit Beharrlichkeit auch bei diesem Versuch nicht fehlschlagen. 

	        

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