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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 115)

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öffentlichen Wohlthätigkeit gebraucht wissen und Taubstumme mit der 
Ausführung der Mosaikarbeiten betrauen. So entstand 1807 unter der 
obersten Ueberwachung Denon's, des Directeur general des rnusees und 
unter Aufsicht des Ministers des Innern, M. de Champagny, ein Provi- 
sorium, für welches ein jährliches Budget von 1o.ooo Francs ausgeworfen 
wurde. Hiervon entfielen übrigens 1200 Frcs. auf eine Unternehmung 
für Edelsteinschneiderei, die mit der Mosaikschule verbunden war. Der 
römische Bildhauer Francesco Belloni wirkte als Director der Anstalt, 
die jedoch keine besonderen Resultate erzielte. Schon im dritten Jahre 
nach der Errichtung des Etablissements klagte Belloni selber darüber, 
dass Beschäftigung der Arbeiter mangele und bat, man möge gestatten, 
dass die Schule ornamentale Panneaux, Fussbodenpfiaster, Tisch- und 
Caminplatten und anderes Zierwerk für die kaiserlichen Palais und die 
öffentlichen Bauten anfertigen dürfe, denn mit dem römischen Institute, 
welches Gemäldecopien zusammenstelle, könne man noch nicht concur- 
riren. Er schlug vor, diese Industrie im eben vollendeten Louvre, in 
Versailles zu beschäftigen. Belloni scheint ohne Erfolg angesucht zu 
haben. Im Jahre 1811 vollendete er in Mosaik das grosse Porträt des 
Kaisers nach Gerard. Hierauf beabsichtigte bereits Denon, die Mosaik- 
schule mit der Fabrik zu Sevres in Verbindung zu bringen; es ge- 
schah, und der berühmte Brongniart erhielt die oberste Leitung. Auch 
Louis XVlll. begünstigte die Unternehmung noch immer, bei der Belloni 
noch im Jahre 182.7 beschäftigt erscheint. Nach 1830 jedoch war die Sache 
gänzlich eingeschlafen. 
Ueher tlle Anordnung umt Aufstellung der knie. Altartliunlaealnmlungen Im nouon 
Hofmuacum. 
Ueber dieses Thema hielt der Director des k. k. Münz- und Antikencabinets und 
der Ambraser Sammlung E. Freiherr v. Sacken am I9. Febr. einen Vortrag im Alter- 
thumsvereine, dem wir Folgendes entnehmen: 
Einer der schnliehsten Wunsche aller Freunde von Kunst und Alterthum reift end- 
lich seiner Erfüllung entgegen, ich meine den Bau eines eigenen Museums für die ltais. 
Kunat- und Alterthumssammlungen, wo die reichen Schätze, welche das kais. Haus in 
dieser Richtung besitzt, vereinigt werden sollen. Schon erhebt sich stattlich bis über 
das erste Geschoss hinauf der Praehtbau vor dem Burgthor, noch wenige Jahre und er 
wird vollendet dastehen. Musste schon vor seiner lnangriffnahme der Plan für die 
Sammlungen, die er beherbergen soll, im Grossen festgestellt werden, damit die raum- 
lichcn Dispositionen darnach geschaffen, die einzelnen Baubestandtheile danach eingerichtet 
werden konnten, so schien es nunmehr an der Zeit, denselben auch bis in's Detail aus- 
zuarbeiten, um bei Vollendung des Baues völlig vorbereitet dazustehen und sofort an 
die Ausführung der Neuausstellung unbehindert schreiten zu können. 
Dieser Ausstellungsplan ist nunmehr ausgearbeitet, so zwar, dass jede Kategorie 
von Denkmalen, ja jedes grössere Stück nach seinem Masse seinen Platz angewiesen hat. 
Die Aufstellung wird nach dieser Vorarbeit dann leicht und rasch vollzogen werden können. 
Für die kais. Alterthumssammlungen ist das ganze Rez-de-chaussee des Museal- 
gebäudes an der Babenbergerstrasse bestimmt. Der Haupteingang ist über eine Freitreppe 
an der Langscite des Gebäudes, welche dem Platze zwischen den beiden Museen - dem 
kunst- und dem naturhistorischen - zugewendet liegt. Die Räume bestehen aus Reihen von 
Salen, welche gegen die Aussenseite des Gebäudes liegen und durch 16 Fuss hohe Bogen- 
fenster, die durchaus freies Licht haben, erleuchtet werden. Gegen den Hof zu liegen 
schmalere Zimmer und Cabinette, von einem Drittel Breite der Sale. Die Säle haben in
	        

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