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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 115)

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ihrer Mitte Säulen, deren Schäfte aus den schönsten Granitarten bestehen werden. Diese 
Anordnung hat ihren Grund in der im zweiten Stockwerke befindlichen Gemäldegalerie. 
Diese bedarf nämlich für die grösseren Bilder Säle mit Oberlicht, für die kleineren Ca- 
binette mit Seitenlirht; erstere liegen am zweckmassigsten nach innen (gegen den Hof zu), 
letztere des guten Lichtes wegen nach aussen; die Theilung des Gebäudes der Tiefe nach 
ist daher gerade entgegengesetzt der im ersten Geschosse und es mussten in diesem 
Säulen angebracht werden, auf welchen die Mauern ruhen, welche oben die Cabinette 
von den Salen trennen. An jeder der Schmalseiten des Gebäudes ist ein grosser Saal 
der ganzen Tiefe nach angebracht, so dass ein angenehmer Wechsel von grosseren und 
kleineren sowie verschiedenartig conügurirten Rlumlichkeiten entsteht. 
Die zukünftige Organisation der kaiserl. Alterthumssammlungen ist vorbereitet und 
zum Theile auch bereits durchgeführt. Sie bestehen aus dem Mtinz- und Antiken- 
cabinet nebst der lgyptischen Sammlung und der Ambraser Sammlung. Die 
Einverleibung des jetzt im Arsenale aufgestellten Hof-Waffenmuseums, der historisch 
und künstlerisch wichtigen Stücke der kais. Jagd- und Sattelkammer sowie der 
Franzensburg in Laxenburg ist durch'Allerhochste Entschliessungen festgestellt. Aus 
der kais. Schatzkammer kam eine grosse Anzahl von Gegenständen vorwiegend 
künstlerischer Bedeutung bereits in die Ambraser Sammlung, dasselbe geschah mit den 
mittelalterlichen Metall- und Emailarbeiten, die sich früher im Antikencabinette befanden, 
und mit kleineren Kunstwerken aus Laxenburg. Weitere Vereinigungen gleichartiger 
Denkmale sind in Aussicht genommen. 
So werden die vereinigten Alterthurnssammlungen Denkrnale der Kunst und des 
Lebens aller Zeiten und Linder umfassen. Sie haben die Aufgabe, das Culturleben von 
der altesten bis auf die neue Zeit, wie es sich in Kunst und Handwerk sowie im Wechsel- 
verkehre ausprügt, zur Anschauung zu bringen. Der leitende Gedanke bei der Anordnung 
muss daher die Darstellung der historischen Entwickelung der Kunst sein; es 
muss eine Gruppirung der Denkmale nach Culturen stattfinden und {deren historischer 
Zusammenhang ersichtlich gemacht werden, - denn das Museum soll ein Bild der Ge- 
schichte der Civilisation geben. 
Die Marksteine auf diesem Wege sind: die vorclassischen Culturen Aegyptens 
und Europas (von asiatischen Denkmalen besitzen wir leider fast nichts), sodann die 
höchste Entwickelung in der classischen Kunst, endlich die christliche Cultur: das 
Mittelalter und dieselbe unter dem Einiiusse der Antike, die Renaissance. 
Bei der Aufstellung selbst kommt Vieles zu berücksichtigen. In erster Linie steht 
selbstverständlich die wissenschaftliche, systematische Ordnung; mit dieser muss die 
Gruppirung nach dem Materiale, die von dem gebildeten Geschmack mit Recht geforderte 
malerische und decorative Aufstellung, die zweckmassige Benutzung des Lichtes u. s. w. 
in Einklang gebracht werden. 
Den Anfang der Ausstellung machen die nachweisbar ältesten Kunstdenkmale, die 
Aegyptens. Die ägyptische Sammlung wird eine sehr namhafte Bereicherung erfahren 
durch einen grossen Theil der von Erzherzog Maximilian, Kaiser von Mexico, ange- 
legten, jetzt in Miramare befindlichen Sammlung, und dadurch eine sehr bedeutende werden. 
Der erste Saal ist der ägyptischen Steinsculptur gewidmet, denn diese ist 
die Grundlage der ganzen nachfolgenden Entwickelung dieses Kunstzweiges. Die die Decke 
stützenden Säulen sind hier echt ägyptische, aus rothem Granit, mit Bildwerk und Hiero- 
glyphen bedeckt; den letzteren zufolge stammen sie aus der i8. und ig. Dynastie, dem 
i4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Gleich beim Eingange, welchen zwei Sitze 
Gguren der lowenkopiigen Sechet, der ägyptischen Göttin des Feuers, bewachen, kommen 
mehrere Denkmale der allerältesten Zeit zu stehen, aus der 3. und 4. Dynastie (circa 
3000 vor Chr.), die Statue eines königlichen Baumeisters der Pyramiden, Namens Herka, 
eines Schreibers, Gefasse aus dieser Periode u. s. w. Die Mitte des Saales nehmen die 
schonen, mit Sculpturen bedeckten Steinsarge ein, an den Wanden sind in chronologischer 
Reihenfolge die bildlichen Grabstelen (wir besitzen deren weit über ioo) angeordnet. 
Der zweite Saal enthält die kleineren plastischen Bildwerke aus Bronze, 
Terracotta, Holz, angeordnet nach den Typen der Gottheiten, so dass hier vorzugsweise 
die religiösen Anschauungen der Aegypter dargestellt erscheinen. _ _ 
Das erste Zimmer ist dem ägyptischen Todtencult gewidmet; man sieht hier: 
die Mumien mit ihren bemalten Holzsargen, die verschiedene Behandlung und Ausstattung 
der Versorbenen und die Bestattungsweise mit den Eingeweidegefassen, deren Deckel die 
Köpfe der vier Todtengenien darstellen, endlich die Thiermuinien, welche ein so eigen- 
thümliches Licht auf die religibse und die Naturanschauung der alten Aegypter werfen. 
Es folgt ein Cabinei mit den schriftlichen Denkmalen des alten Aegypten, 
den Papyrusrollen, sowohl bildlichen als hieroglyphischen und demotischen. 
Das anstossende Zimmer soll die Gegenstände des täglichen Lebens ent- 
halten: Gerathe, Gefässe, Kleidungsstücke, wie Sandalen u. dgL, Getreidearten, Brot u. s. w., 
sowie Schmuck und Amulette.
	        

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