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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 123)

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denn die farbigen Glasspectra mit den conturirenden Verbleiungen machen 
den ganzen Eifect aus. Bei der Restauration der St. Barbara-Capelle in 
Olmütz, die der feinsinnige Domdechant Graf Lichnowsky durch Storno 
vornehmen lässt, wurden zwei Renaissancefenster mit l-iguralen Medaillons 
aus dem Leben der hl. Patronin en grisaille mit Silbergelb in der T. G. 
ausgeführt, die auch die Butzenscheibenverglasungen liefert. 
Für den Dom zu Prag entstand nach langer Unterbrechung ein drei- 
theiliges Fenster mit den hl. Johanna, Wenzeslaus und Wolfgang, gestif- 
tet von Morawetz und Küffer, unstreitig das Beste, was bislang von Glas- 
malereien dort existirt. Gleichwohl musste diese erste bessere Leistung, - 
ein Hauptverdienst des concipirenden Architekten, Dombaumeister Mocker 
- unter der denkbar ungünstigsten Situirung in einer wahren Halbnacht 
leiden: die energisch behandelten, auf normale Stellung und hinreichendes 
Licht angelegten Figuren, - fein empfundene Gestalten des Herrn Se- 
quens -- erwiesen sich zu tief und schwarz für diesen Platz und werden 
nun ohne jede Entschädigung entsprechend den anders gearteten Verhält- 
nissen von der Anstalt neu ausgeführt. Es hat dies bereitwillige Entge- 
genkommen denn auch die volle Würdigung des Dombaucomites gefunden. 
Das ist das Schwierige und immer neue Täuschungen Schaffende in der 
Glasmalerei, dass die Situation am Bestimmungsorte die Wirkung eines 
daheim als gut anerkannten Werkes total verändern kann, und daher er- 
geben sich die Reisen, um Kenntniss von derselben zu nehmen, bei grös- 
seren Aufgaben als eine Nothwendigkeit. Man betrachtet sie aber auch 
als Bildungsmittel, deren weder Leiter noch Künstler eines so grossen 
Kunstinstitutes entrathen können, ohne geistig zurückzubleiben, ohne den 
Contact mit der grossen Aussenwelt zu verlieren. 
In St. Valentin (Nieder-Oesterreich), wo bereits voriges Jahr der 
Chor mit figuralen Glasmalereien ausgestattet wurde, reihten sich d. J. 
hübsche Bleifenster in Tongläsern an , deren Billigkeit die weiteste An- 
wendung auch in ärmeren Kirchen gestattet. Decorative Fenster kamen 
nach lschl, Baden, in eine Menge Dorfkirchen Steiermarks, wo sich ein 
durch die anerkennungswerthen Leistungen des christl. Kunstvereins über- 
raschend geweckter Sinn für jede Art der Kunstverglasungen zeigt, woher 
denn auch die meisten Aufträge unter den Provinzen eingelangt sind. Wir 
beschränken uns auf wenige: Pfarrkirche St. Leonliard und Seminarcapelle 
zu Graz, Straden, Riegersburg. Weiter hinab gingen Fenster nach Raven 
(Croatien) und nach Banialuka. ' 
Nicht Unbedeutendes hat dies Jahr Tirol bestellt; ein Beweis für den 
Sinn und die Liebe des Clerus für kirchliche Kunst und Decoration; es 
liefen nicht weniger als 27, darunter sehr ansehnliche Bestellungen ein: 
Teppichfenster wurden für die neuerbaute romanische Kirche in Spor- 
maggiore gefertigt, wovon neun grosse Fenster leider des knappen Preises 
halber nur in gewöhnlichem Glas auszuführen waren; der zweite Fall 
unter allen Arbeiten, die sonst in Kathedral- und Antikgläsern ge- 
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