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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 123)

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HochschiHfenstern und der grossen Rosette der Votivkirche in Wien ihr 
zu Theil wurde. Kam es in diesen Objecten mehr nur auf die Tüchtig- 
keitifertiger Conturer und Ornarnentenmaler an, welche denn auch die 
Ablieferung noch vor den vertragsrnässigen Terminen ermöglichte, so bot 
doch jedes Hochschifffenster in seinem grossen Vierpass bereits ein ftgu- 
rales Medaillen, an dem sich die wirksame Combination farbiger Gläser 
mit einem energischen, der riesigen Höhenstellung entsprechenden Vor- 
trage erst prüfen konnte. Die Verwendung derselben Gläser aus der Ti- 
roler Kathedral-Glashütte durch Geyling fördert die Zeichnungen des Herrn 
Maler Jobst und bringt das Ganze zu einer in Ton und Mache harmonisch 
sich verbindenden Suite reicher Glasdecorationen. Das Tiroler Institut war 
dabei bestrebt, in stetem Contacte und Austausch mit der Bauleitung, so 
wie den zeichnenden Künstlern zu bleiben, um seine Aufgabe entsprechend 
deren Intentionen zu behandeln und zu lösen. In derselben Absicht sandte 
es grössere figurale Objecte zur Ausstellung in's Oesterr. Museum nach 
Wien, die nicht ohne günstigen Einfluss blieben, sowohl was die geweckte 
Beurtheilung berufener Fachmänner als das Interesse kunstliebender Be- 
steller anlangt. Mag auch" ein oder die andere abfällige Stimme bei solcher 
Gelegenheit fallen, die Leitung der T. G. erkennt darin eine verschwin- 
dend kleine Gefahr gegenüber jener. die in der Entziehung eines künst- 
lerischen Auftrages von Bedeutung liegt. Das Gefallen oder Missfallen der 
Auftraggeber ist zwar ein nicht zu unterschätzender Factor, aber oft so 
verkehrt, dass man von Zeit zu Zeit das Bedürfniss hat auf einem Welt- 
kunstplatze unbefangenere Richter zur Prüfung und Correctur des Ge- 
machten zu bitten. Das Vertrauen, welches man in Wien in die Leistungen 
der Anstalt setzt, verschaffte ihr auch bereits die hervorragende Betheili- 
gung an der Ausführung der nun erst beginnenden Kunstaufgaben: der 
figuralen Fenster. l 
Nicht zu vergessen ist der Restaurirungs- und Ergänzungsarbeiten 
alter Glasmalereien für das grossherzogliche Museum zu Darmstadt, die s. g. 
Wimpfener und Partenheimer Flügel, sowie jene für die Stiftskirche Hei- 
ligenkreuz; sie waren willkommene Objecte des Studiums alter Vorbilder 
und wurden besonders jüngere Kräfte zu diesen Arbeiten herangezogen. 
In unverkennbarem Fortschritt nimmt die Glasmalerei auch von den 
Räumen des Profanbaues Besitz, schmückt sie mit Wappenschildereien, 
Genrebildern, ornamentalen Zeichnungen in Farben und Ton. Die aus- 
zeichnendste Aufgabe in diesem Gebiete wurde dem Institute in der Aus- 
führung der fünf vom kaiserlich österreichischen Hause gestifteten Wap- 
penfenster für die Karthause des germanischen Museums in Nürnberg zu 
Theil, wozu Director Essenwein auf eingehendes Studium begründete mu- 
stergiltige Zeichnungen lieferte; ebenso zu zwei weiteren Wappenfenstern 
ebendorthin von den Grafen und Freiherren von Soden und Bibra ge- 
stiftet. Aufgaben, welche die vereinten Kräfte in denkbar kürzester Zeit 
durchführten. Die Anerkennung, welche vom Director sowie berufenen
	        

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