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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 125)

mit seinen Ringen, E. Braun mit seinem Rococo-Schmuck, C. Sevin 
mit Türkisenschmuck sind uns aber schon von der vorigen Ausstellung 
her bekannt. Ihr Genre ist unverändert geblieben, weder verbessert, noch 
verschlechtert. Neu auf der Ausstellung ist J. Adametz mit Granaten- 
schmuck, nur sein Genre ist weniger neu, wie ihm wohl zu wünschen 
gewesen wäre. Die Granatbijouterie ist der Veredlung sehr bedürftig. 
Ebenfalls zum ersten Male ist W. Seepolt mit Ringen uncl anderem 
Schmuck erschienen. Das Bemerkenswertheste darunter sind einige Gegen- 
stände mit Korallen, doch ist es wohl fraglich, ob diese knopfartige Be- 
handlung und Zusammenstellung derselben die richtige ist. Im Hinblick 
auf die zahlreichen Korallenschmuckarbeiten Italiens auf der Weltausstellung 
will es uns allerdings nicht scheinen, als 0b die rechte Kunstweise für 
sie schon gefunden wäre, aber schwerlich dürfte unsere heimische Industrie 
dazu berufen sein. Unsere blonden Köpfe und weissen Nacken sind nicht 
die rechte Stätte für diesen Schmuck, der dem dunklen Haar und dem 
brünetten Teint der Italienerinnen so schön steht. - Endlich gehört 
hieher noch die zierliche Decoration der goldenen Uhren von Ph. Fromm 
in diamantbesetzten Chiffren und Wappen. 
Unter den feineren Arbeiten der Goldschmiedekunst glänzten auf der 
Ausstellung des vorigen Jahres vor Allem höchst reizende und vollendete 
Arbeiten in Niello. Dasselbe ist leider diesmal nicht der Fall. Die zahl- 
reichen kleinen, mit Niello verzierten Sächelchen von L. Segner sind 
mehr Spielereien und erwecken kein künstlerisches Interesse, obwohl sie 
es könnten, und so hat uns auch Kleeberg diesmal mit einem} Genre 
von Schmuckarbeiten erfreut oder vielmehr nicht erfreut, das dem gewöhn- 
Iichsten Modegeschmacke folgt. 
Besser steht es mit den Emailarbeiten. Sie sind vielleicht nicht so 
zahlreich vertreten wie das vorige Jahr, aber es befinden sich vortreüliche 
Gegenstände darunter, welche zeigen, dass diese edle Technik trotz der 
Ungunst der Zeiten keineswegs in Abnahme zu sein scheint. Wir rechnen 
dahin vor Allem ein von August Klein nach Zeichnung von Professor 
Teirich ausgeführtes wundervolles Album so wie mehrere andere Gegen- 
stände in der Ausstellung dieser Firma. Zu unserer Ueberraschung ist 
auch ein für uns neues Etablissement, Jäger 8c Thiel, mit einer grösseren 
Collection emaillirten Geräthes erschienen, dessen Formen, wohl veranlasst 
durch besondere Bestimmung, zum Theil schwer, eckig und steif sind, 
während andererseits die blumige Emailverzierung hier und da ausset- 
ordentlich gelungen erscheint. Das Gute, einmal zur Frucht aufgegangen, 
stirbt, wie wir sehen, nicht so leicht wieder aus. 
Unter denjenigen Gegenständen, die auf der Ausstellung mehr in 
sporadischer Art erschienen, empfehlen sich der besonderen Beachtung die 
Möbel und die verschiedenen in Holz geschnitzten Arbeiten. Obwohl die 
ersteren in ziemlicher Anzahl vertreten sind, so sind es doch mehr ver- 
einzelte Gegenstände im Vergleich mit der Ausdehnung und Bedeutung
	        
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