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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 125)

die Credenz, schon um etwas über diesen Standpunkt hinausgegangen. 
Uebrigens sind sie glücklich construirt und vortrefflich gearbeitet, ganz 
nach dem Masse, wie Material und Zweck es erfordern, und nicht mit 
dem Raftinement, das französische Arbeiten dieser Art häufig zu zeigen 
pflegen. Minder glücklich in der Construction erscheinen lrrnler's zu diesen 
Gegenständen gehörende Speisesessel; es ist zu viel Architectur, zu viel 
Reissbrett, zu viel Steifheit für ein Sitzmöbel. Den gleichen Charakter 
tragen die geschnitzten Möbel, welche die Firma J. Klöpfer ausgestellt 
hat, nämlich ein Bibliothekkasten, Schreibtisch, Sessel, im Ganzen erfreu- 
liche und rührnenswerthe Leistungen, obwohl sich im Einzelnen mancherlei 
aussetzen liesse. So hat z. B. der Bibliothekkasten für seinen Zweck zu 
viel Holz, wodurch die Büchertitel unnöthig verdeckt werden. Auch die 
Grödener Schnitzereischule zu St. Ulrich ist mit ähnlichen Gegenständen 
vertreten, die des Guten eher zu viel als zu wenig thun; so mit einer 
reich verzierten Credenz und einem Tisch, dessen Füsse und Gestell so 
mit Schnitzerei verziert sind, dass gar viel hübsche Arbeit unter den Tisch 
geworfen erscheint. Die Kunstarbeit allein macht es nicht, sie muss auch 
am rechten Orte angebracht sein und dazu braucht es oftmals nur ein 
klein wenig Ueberlegung. 
Die Arbeiten dieser Grödener Schule führen uns noch auf andere 
Gedanken. Es ist wohl ganz gut zulässig, wenn im einzelnen Falle eine 
solche Fachschule ihre Kräfte an einer reicheren und bedeutenderen Auf- 
gabe versucht; sie aber als Luxusstücke zu schaffen und mit diesen Luxus- 
stücken den Markt zu überfüllen, ist wohl der verkehrte Weg, zumal wenn, 
wie bei der Grödener Schule, völlige Unklarheit darüber zu sein scheint, 
welche Preise denn für solche Arbeiten zu fordern sind. Wenn die Schule 
zugleich Atelier und Lehrwerkstätte ist, also für Bestellung und Bedarf 
arbeitet, so muss sie aber in dem bestehenden oder mit Sicherheit zu be- 
schaffenden Bedarfe des Marktes ihre Grenzen finden. Ueberschreitet sie 
den Bedarf, so verliert sie den Enden unter den Füssen. Uns scheint, 
die Aufsicht über diese und ähnliche Schulen sollte vor Allem mit dahin 
gerichtet sein, ihre Leistungen innerhalb der wirklichen oder sicher erreich- 
baren Absatzgrenzen zu halten, sodann ihre Preise zu normiren und für 
diejenigen Gegenstände, die man von solchen Lehrwerkstätten beziehen 
kann, Bestellung und Verkauf zu organisiren. Ohnedies kann es leicht 
geschehen, dass wohl die Bestellung gemacht und auch angenommen wird, 
das Wann und Wie der Lieferung aber völlig der ungewissen Zukunft 
anheimgestellt bleibt. 
ln gleicher Weise wie die Standmöbel oder vielleicht noch in höherem 
Grade tragen die Sitzmöbel den Charakter der Unbestimmtheit und schwan- 
kender Richtungen. Phantasiemöbel von brechlichster, unconstructiver 
Construction gesellen sich zu Fauteuils von Rococo und Louis XVl.; da- 
neben sieht man Formen, die man etwa mit Louis Xlll. zu bezeichnen 
pflegt, sowie reich geschnitzte Exemplare von der Art derjenigen, die man
	        

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