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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 125)

gewöhnlich Bauerxnsessel nennt. Von dieser letzteren Art stellt uns Chri- 
stian Ulrich sehr charakteristische Beispiele vor Augen. Die reichste 
Auswahl bietet uns Anton Fix. Einiges davon schlägt noch nach Form 
und Verzierung in das Genre Louis XVl., das am letzten französischen 
Kaiserhofe vorzugsweise das herrschende war. Das Meiste sucht seine 
Vorbilder in früheren Zeiten auf oder ist selbstständig componirt in mo- 
dernem, aber richtigem Gefühl. Dahin gehört ein Sessel von schwarzem 
Ebenholz mit eingelegtem Elfenbein und Stickerei auf dem dunkelgrünen 
Stoff, ein gutes und kostbares Stück für einen Damensalon von soliderem 
Geschmack. 
Andere Sessel oder Fauteuils haben gerade Construction in Rück- 
lehne und Seitenwangen, etwa wie diejenigen der ersten Hälfte des sieb- 
zehnten Jahrhunderts; aber breit und tief gehalten, liefern sie den Beweis, 
dass auch dieses am besten construirte Sitzmöbel vollkommen bequem sein 
kann und weit bequemer ist als unsere modernen Rococo-Fauteuils, die 
nach dem Bedürfnisse und dem Baue des Körpers gebaut und gepolstert 
sein sollen, heute aber zu eng für die Hüften sind und keine Ruhe bieten, 
weder für den Kopf, noch die Arme, noch den Rücken. 
Dass die Holzschnitzerei oder Holzbildhauerei in Wien sich ein weites 
Feld zu erwerben beginnt, zeigen ausser den erwähnten geschnitzten Möbeln 
auch die übrigen Schnitzereien. Die beiden hauptsächlichsten Aussteller 
sind Jäckl und Christian Ulrich, ersterer mehr mit Füllstücken und 
verschiedenem Geräth, letzterer mit Rahmen. Meisterhaft als Schnitzerei, 
aber verkehrt im naturalistischen Geschmacke ist unter Jäckl's Arbeiten 
die Verzierung einer grossen Cassette in Laub und Blumen. Noch ver- 
fehlter in Bezug auf die Construction ist ein über die Massen schwan- 
kender Gewehrständer, der kaum sich selber zu tragen scheint. Es sollte 
auch dieser Seite des Gerätbes mehr Beachtung geschenkt werden; sie 
macht sonst zunichte, was etwa die Verzierung an sich Gutes enthält. 
Der geschnitzten Sessel von Chr. Ulrich ist bereits gedacht worden. Der 
grösste Theil seiner Ausstellung besteht in einer grossen Collection ge- 
schnitzter oder profilirter Rahmen, die, schwarz oder braun, mit wenig 
Gold verziert, oder auch wohl in alter, dunkler Vergoldung, sammt und 
sonders der bisherigen modernen Art des vergoldeten Rahmens, wie er 
unter dem EinHusse der heutigen Maler entstanden ist, den Krieg er- 
klären. Es sind wohl nicht alle Wege der Verzierung, die hier einge- 
schlagen werden, haltbar, aber das Verfahren, begründet auf die Vorbilder 
des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts, ist im Ganzen vollkommen 
richtig und es befinden sich viele gelungene Beispiele in der reichen Col- 
lection. Die alten Maler, die massvoll waren in der Vergoldung wie in 
der Breite des Rahmens, die ihn flach bildeten statt steil und das Bild 
eher hoch hielten, statt dass sie es in der Tiefe einkastelten, und sonst 
manche Dinge anders beobachteten als ihre heutigen Genossen, wussten 
wahrscheinlich auch, was sie thaten und warum sie es thaten.
	        

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