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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 125)

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Eine eben so wichtige, dem Geiste der Institution entsprechende Er- 
weiterung des Museums und zwar speciell der Kunstgewerbeschule, ist die 
Gründung eines Ciselirateliers, das in directer Verbindung mit der Fach- 
schule für Plastik der Kunstgewerbeschule treten wird. Die Angelegenheit 
wurde durch die hervorragendsten Bronzefabrikanten Wien's in der "Ge- 
sellschaft zur Förderung der Bronzeindustrie: angeregt und vom Cu- 
ratorium und dem Aufsichtsrathe der Kunstgewerbeschule lebhaft befür- 
wertet. 
Die Anforderung, welche damit an die Kunstgewerbeschule heran- 
trat, konnte für die Leitung dieser Anstalt nichts Ueberraschendes haben. 
Von Anfang an war man sich bewusst, in welcher Richtung die Schule 
sich weiter entwickeln könne und müsse. Hatte der Zustand des Zeichen- 
unterrichtes im Allgemeinen zur Zeit der Gründung der Schule dieser 
zunächst die Aufgabe gestellt, den künftigen Kunsthandwerkern Gelegen- 
heit zur Aneignung jener manuellen Fertigkeiten zu geben, welche bei 
ihrer Aufnahme eigentlich hätten vorausgesetzt werden müssen und wurde 
dadurch der Schwerpunkt der Anstalt in den Vorbereitungscurs verlegt: 
so kann die Schule jetzt, Dank der Errichtung allgemeiner Zeichenschulen 
und Gewerbeschulen in allen Theilen des Reiches und der in der Durch- 
führung begriffenen Reform des Zeichenunterrichtes, sich mit grösserer 
Entschiedenheit ihrer eigentlichen Bestimmung zuwenden. Je mehr sie 
sich allmählich von der Last befreit sehen wird, Elementarunterricht im 
Zeichnen und Modelliren zu ertheilen, um so mehr kann sie jene mancherlei 
Arten künstlerischer Technik heranziehen, welche an Gewerbeschulen nicht 
geübt werden können, weil sie einen höheren Grad künstlerischer Aus- 
bildung zur Voraussetzung haben. 
Zu diesen Zweigen der Kunsttechnik gehört nun in erster Reihe das 
Ciseliren, welches auch von fast allen Kunstgewerbeschulen (so z. B. in 
München und Nürnberg) in den Lehrplan aufgenommen worden ist. Und 
es bedurfte in der That nicht der Eingabe der Gesellschaft für Bronze- 
industrie, um das Bedürfniss eines Unterrichtes im Ciseliren für Wien dar- 
zuthun. Allen unseren Gussarbeiten, von den sogenannten Wiener Ar- 
tikeln bis zu den Standbildern auf unseren Plätzen, mangelt die letzte 
Feile, und die Ueberlegenheit in der Kunst des Ciselirens trägt nicht 
wenig dazu bei, der französischen Bronzeindustrie ihr Uebergewicht über 
die österreichische zu sichern. 
Dieses Atelier wird Herrn Stefan Schwartz, einem ehemaligen 
Schüler König's, übertragen, einem jungen, strebsamen Künstler, der 
wiederholt durch Preise ausgezeichnet ist.
	        

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