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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 125)

aufgenommen worden. Besonders gelungen erscheinen in diesem letzteren 
Material zwei Lampen auf hohen, schlanken Candelabern aus dem gleichen 
Metall, welche für Se. Majestät den Kaiser angekauft worden sind. -- 
Ebenfalls in das Allerhöchste Eigenthum ist eine Arbeit von Kolbinger 
übergegangen. Eine Kanne und Schale von getriebener Arbeit, im Styl 
der Renaissance mit aller Freiheit und Vollendung der Technik durch! 
geführt. Sie gehörte mit zu denjenigen Arbeiten, welche durch den Con- 
curs der Bronzegesellschaft hervorgerufen worden ist. 
Desgleichen ist mit Glück die Messinghronze von Scheler, Wolff 
81 Co. aufgenommen worden, aber zu Arbeiten ganz anderer Art. Wir 
müssen es als ein Verdienst betrachten, dass diese Fabrik, wohl insbe- 
sondere unter dem Einflusse des Oberbaurathes Schmidt, jene gothisirenden 
Messinggeräthe aufgenommen hat, welche die englische Fabrik von Hart 
ä Son schon seit längeren Jahren für den Gebrauch von Kirche und 
Haus fabricirt. Diese allbekannten Gegenstände verdienten längst auch bei 
uns die Verbreitung, da sie in vortrefllicher Weise alte, gesunde, echt 
künstlerische Motive mit praktischer Verwertbung vereinigen und so beiden 
Zielen zugleich genügen, als Schmuck dienen und sich brauchbar erweisen, 
was leider bei modernen Kunstindustriegegenständen nicht immer der Fall 
ist. Die ausgestellten Gegenstände sind Wandarmleuchter und ein grosser 
gothischer Kronleuchter. Wir können nur wünschen, dass die Fabrik auf 
diesem Wege fortschreitet und es ihr gelingt, das Genre bei uns einzu- 
bürgern. Da die Technik zum grossen Theil im Guss besteht und nur 
einzelne Theile durch getriebene Arbeit Vollendung erhalten, so stellen 
sich auch die Preise nicht in luxuriöser Höhe. 
Minder einverstanden sind wir mit einem Paar grossen Candelabern 
derselben Fabrik, deren einer sich in Eisenfarbe hüllt, der andere den 
Anschein von rothem Kupfer mit grüner Oxidirung annimmt. Wozu das 
edlere Metall der Bronze verstecken unter Schein und Farbe eines uned- 
leren? Hier kommt noch_dazu, dass der Efiect höchst misslungen ist, 
schwer und bleiern bei dem ersteren, unschön und bunt bei dem zweiten. 
Im Gegensatze möchten wir wünschen, so viel es an uns liegt, diese Wege 
nicht fortgesetzt zu sehen. 
Wir'schliessen an diese Besprechung noch einen Gegenstand an, ein 
Unicum auf der Weihnachts-Ausstellung und vielleicht überhaupt in seiner 
Art. Es ist ein Candelaber oder Kerzenträger aus geschmiedetem Eisen, 
Eigenthum des Grafen Edmund Zichy, nach Zeichnung und Compositiun 
von Storck, vom Schlossermeister Milde ausgeführt. Wir sind heute 
nicht gewohnt, das geschmiedete Eisen als ein Material für häusliches 
Schmuckgeräth zu betrachten. Kaum dass es sich in grösserem Massstabe 
an Prachtbauten als Gitter, als Oberlichtgitter, für Thüren oder sonstwie 
einzufinden beginnt; von der Wohnung selbst ist es noch ausgeschlossen. 
Einst war das anders. Aus dern Mittelalter. insbesondere aber aus dem 
sechiehnten Jahrhundert, ist uns gar mancherlei Geräth aus geschmiedetem,
	        

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