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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 126)

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nicht vergönnt gewesen, dieses Werk abzuschliessen, das der Bronzeindustrie 
gewiss vorn grössten Nutzen würde gewesen sein. 
Zwei Publicationen Herrn Teirich's betreten das Gebiet der Literatur 
gleichmässig wie jenes der Kunstgewerbe selbst. Eines von denselben führt 
den Titel: nCabinet oder Kunstschrank, im Auftrage Sr. Maje- 
stät des Kaisers Franz Josef ausgeführte, welches, glänzend zur 
Ausführung gebracht, heutigen Tages sich in dem Besitze des niederlän- 
dischen Gesandten Herrn Baron Heekeren (ehemals in Wien) behndet. 
Dieses Cabinet wurde bei der Eröffnungsausstellung des Museums ausge- 
stellt und ist eines der schönsten Producte der österreichischen Kunst- 
industrie, welche überhaupt in' neueren Zeiten gemacht wurden. Für die 
Publication des wKunstschrankes etc.a wurde Prof. Teirich durch den 
Kaiser mit der Medaille fürKunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Ausserdem 
aber hat der unermüdlich thätige Professor für eine grosse Anzahl von In- 
dustriellen gearbeitet, speciell für Bronze- und Ledergalanterie, für Email, 
für Glas etc.; eine Reihe von Originalaufnahmen von Gefässen besitzt die 
Vorbildersammlung der Bibliothek des Oesterr. Museums. ln allen seinen 
Arbeiten- zeigt sich eine nicht gewöhnliche Geschmacksbildung, ein viel- 
seitiges künstlerisches Wissen und ein Beherrschen der verschiedensten 
Techniken. Er war ein entschiedener Vertreter der modernen Renaissance, 
die auf italienischem _Boden entstanden ist; alle seine Arbeiten bewegen 
sich in diesem Gedankenkreise, und es ist wohl gar kein Zweifel, dass er 
principiell den Versuchungen ans dem Wege gegangen ist, die Stylprincipien 
der italienischen Renaissance mit der deutschen oder französischen zu ver- 
mengen. Die Reinheit seiner Stylerfassung ist die Frucht seines künstle- 
"rischen Denkens. Ein ganz besonderesVerdienst endlich hat sich Prof. Tei- 
rich erworben durch die Gründung der nBlätter für Kunstgewerbeu, 
welche er in Verbindung mit Herrn v. Waldheirn als Privatunter- 
nehmen ohne eine andere Subvention durchgeführt hat, als es die ist, 
welche in der Subscription des Werkes für Schulen liegt. Bei diesem Unter- 
nehmen speciell kam ihm die Vielseitigkeit seiner literarischen Befähigung, 
die Leichtigkeit seiner schriftlichen Darstellung zu statten. Diese Blätter 
haben für Wien eine ganz specielle Bedeutung. _ -L'Art pour tousu ist 
ein rein französisches Unternehmen; die "Stuttgarter Gewerbehalleu und 
wDas Kunsthandwerku stehen auf internationalem, kosmopolitischem Boden. 
Teirich's Unternehmen hingegen war ein specifisch österreichisches, und 
ich möchte hinzufügen, specifisch wienerisches. Es ist von dem patriotischen 
Gedanken getragen, der österreichischen Industrie ein reiches Material für 
Bildung herbeizuführen und zu gleicher Zeit für jene Künstler in Oesterreich 
Propaganda zu machen, welche für Kunst und Kunstgewerbe arbeiten. Und 
das ist l-lerrn Prof. Teirich in ganz eminenter Weise gelungen. Kein wie 
immer geartetes Organ hat es, vielleicht mit einziger Ausnahme der von 
Ludwig Fürster seinerzeit gegründeten i-Bauzeitung" , verstanden, "die 
Arbeiten österreichischer Architekten, Künstler und Kunsthandwerker im 
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