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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 127)

Dafür treten um 1580 gleichzeitig mehrere Goldschmiede auf, welche 
Musterblätter für ihre eigenen Berufsgenossen herausgeben. Diese sind in 
einer eigenen Manier, der sogenannten Punzenmanier gefertigt"). Dabei 
wird die Zeichnung - Umrisse und Schatten - mit einem kleinen Hammer 
durch Aufschlagen auf den Punzen in die Kupferplatte hineingeschlagen. 
Da die Enden der Punzen, welche in die Platte geschlagen werden, rund 
(bisweilen auch oval) sind, so zeigen die in dieser Manier gefertigten Stiche 
grössere oder kleinere, mehr oder weniger von einander entfernte Punkte, 
niemals jedoch glatte Striche wie sie etwa der Grabstichel oder die Radir- 
nadel hervorbringt. 
Der Erfinder") dieser Manier ist unbekannt, muss jedoch ein Gold- 
schmied gewesen sein; denn nur bei einem solchen lässt sich die nöthige 
Fertigkeit in der Hantirung mit Hammer und Punzen voraussetzen. Auch 
konnte einem Goldschmiede, der gewohnt war bei allen Arbeiten, die er 
zu treiben hatte, die Umrisse in das Gefäss mit dem Punzen einzuschlagen, 
sehr leicht der Gedanke kommen, die Zeichnung in derselben Weise, statt 
auf das Gefäss, auf die Kupferplatte zu bringen, um sie zum Nutzen seiner 
Kunstgenossen zu vervielfältigen, zumal da die Kunst des Abdruckens ver- 
tiefter Platten auf Papier allgemein in Gebrauch war. 
Uebrigens treten um diese Zeit die Goldschmiede noch in einer 
zweiten Richtung in die Reihe der vervielfältigenden Künstler. Angeregt 
durch die Erfolge der Punzenarbeiter, veröffentlichen nun auch die Gold- 
schmied-Graveure (seit 1588) ihre Muster für Ausführung in translucidem 
Email und in Niello, die sogenannten niellirten Goldschmiedverzierungen, 
welcher Vorgang auch später, seit dem letzten Jahre des 16. Jahrhunderts, 
in Frankreich Nachahmung findet. 
Leider sind uns von den Künstlern, welche in Punzenmanier arbei- 
teten, nur wenige dem Namen nach bekannt. Bernhard Z an (arbeitete 1580 
') A. v. Bartsch. Anleitung zur Kupferstichkunde. Mit 11 Kupfertafeln. 2 Bde. 
Wien, 1821. 8. Ueber Punzenmanier: Band 1. Q. 62-66 und  520-517. -- J. E. Wessely. 
Anleitung zur Kenntniss und zum Sammeln der Werke des Kunstdruekes. Mit 2 Taf. Mono- 
gramme. Leipzig, T. O. Weigel, 1876. 8. p. 59. - lllustrirter Katalog der Orna- 
mentstich-Sammlung des k. k. Oesterr. Museums, 1871. gr. 8. Auf Seite 53-58 das Ver- 
zeichniss der Punzenarbeiten. 
") Für den Erfinder der Punzenmanier wird allgemein Giulio Campagnola 
(geb. 1481) gehalten. Das älteste bekannte Blatt, bei welchem der Punzen zur Verwendung 
kam, ist der hl. Johannes Baptist dieses Meisters. Er ist somit der erste Punzenarbeiter, 
den wir kennen. Bei dem innigen Contacte zwischen Goldschmiedekunst und Kupferstecher- 
kunst - ist ja die Kupferstecherkunst eine Erfindung der Goldschmiede - darf es uns 
nicht Wunder nehmen, dass einmal ein Kupferstecher den Stiche] mit dem ihm geläufigen 
Punzen vertauschte und die Licht- und Schattentdne statt mittelst des Grabsüehels mit 
dem Punzen herstellte. Giulio Campagnola fand jedoch keine Nachahmer und sein Blatt 
steht ganz vereinzelt. Ferner haben die am Ende des 16. Jahrhunderts mit dem Punzen 
gefertigten Blätter einen so durchaus verschiedenen Charakter, dass wir wohl mit Recht 
von einer neuerlichen Erfindung sprechen dürfen.
	        

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