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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 137)

sich muthig zu behaupten sucht und nunmehr den unvergänglich reiz- 
vollen StoiT, der als Shawl augenblicklich in Ungunst gerathen, mittler- 
weile zn Mantillen und Aehnlichem glücklich verwerthet. Ein Zeugniss 
dafür gibt die Collection von Em. Thieben. 
Selbst Neues bricht sich Bahn trotz trüber Zeitl, und was unter 
glänzenden Umständen gepredigt und empfohlen worden, das kommt jetzt 
wirklich zum Durchbruche, zur Reife, langsam, aber unaufhaltsam. Es 
mag ein Jahrzehent her sein, dass zuerst zum Entsetzen der schätzens- 
werthen Hausfrauen davon die Rede war, wieder Farbe in die Hauslein- 
wand, vor Allem in das Tischzeug, einzuführen. Versuche wurden ge- 
macht und wieder aufgegeben, die Hausfrauen sträubten sich und sträuben 
sich noch und siehe da, ein Blick in jeden Leinwandladen genügt zur 
Ueberzeugung, dass der Gedanke sich Bahn bricht. Aus jeder Auslage 
lacht uns Roth und Blau lustig entgegen. 
So ist es auch mit den Gardinen, den weissen, klaren Vorhängen. 
So lange die Wand selber weiss und grau war, fühlte man ihren Miss- 
klang nicht. Zwischen lichter Wand und hellem Fenster waren sie ganz 
gut, das Licht zu mildern. Nun ist aber unsere Wand dunkler und far- 
biger geworden und damit ein anderer Uebergang nothwendig zwischen 
ihr und der breiten Lichtmasse des Fensters. Vor Zeiten erfüllten kleine 
Glasgemälde diesen Zweck, indem sie das Fenster coloristisch der Wand 
näher brachten. Wir haben sie aber noch nicht wieder erhalten und 
müssen daher die weissen Vorhänge, wenn wir sie um ihrer Klarheit 
willen in den häuHg so dunklen Zimmern nicht wollen fallen lassen, selber 
farbig machen. Das ist eine einfache Consequenz, die leicht vorauszusehen 
war, weil sie kommen musste wie Amen in der Kirche. Die Franzosen 
haben uns schon auf unserer Ausstellung von 1873 verschiedene, nicht 
gerade sehr glückliche Beispiele gezeigt, bei denen die Zeichnung in Roth 
oder Grau - auch in anderen Farben, wenn ich mich recht erinnere - 
applicirt war. 
Weit schönere und gelungenere Beispiele, zum Theile in schwung- 
voller, von Schülern der Kunstgewerbeschule componirter Zeichnung, führt 
uns Stramitzer auf der diesjährigen Weihnachts-Ausstellung vor Augen; 
als die angemessensten und empfehlenswerthesten darunter erscheinen uns 
diejenigen, welche mit rother, ornamentaler Bordüre auf einem warmen, 
gelblich grauen Netzfond verziert sind. Unserer Ansicht nach wird man 
hiebei nicht stehen bleiben; man wird die Spitzenvorhänge einfach in 
Türkischroth oder in andere waschbare Farben tauchen, man wird sie 
dadurch farbig machen und ihnen die Durchsichtigkeit lassen. 
Zeigt sich in diesem Bedürfnisse nach Farbe eine gewisse Opposition 
gegen die Maschinenspitze, wenigstens auf diesem Gebiete der Zimmer- 
decoration, so ist es auffallend und gewiss auch erfreulich, wie anderer- 
seits die echte Spitzenarbeit sich wieder ausbreitet, sowohl als Industrie 
wie im Hause als Beschäftigung der Damenhand. Jede Ausstellung legt
	        

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