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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 146)

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verfügbaren Räume, genöthigt, den systematischen Zeichenunterricht als 
Hauptgegenstand zu behandeln, so wird es nunmehr möglich, den vollen 
Nachdruck auf die künstlerische Fachbildung zu legen. Die neue Organi- 
sation der Anstalt weist nicht nur den schulmässigen Unterricht im Frei- 
handzeichnen nach hguralen und omamentalen Vorbildern und im Modelliren, 
sondern auch den im technischen Zeichnen, in der Perspective und Schatten- 
construction, sowie in den Elementen der Stillehre in die Vorbereitungs- 
schule, so dass die von derselben absolvirten Zöglinge genügend vorbereitet 
sein werden, um an dem Specialunterricht in den Fachschulen theilzu- 
nehmen. Solcher Specialunterricht wird ertheilt im figuralen Zeichnen und 
Malen, im Blumenmalen, in decorativer Malerei, im Email- und Glas- 
malen etc., in der architektonischen Formenlehre und deren Anwendung 
auf die gewerblichen Künste, in derBildhauerkunst, im Graviren, Ciseliren etc. 
Für die Vorbereitungsschule konnten Unterrichtsräume vorläufig noch 
im Museumsgebäude erübrigt werden, doch reichen diese nur im begon- 
nenen Schuljahre hin, während für das Schuljahr i878f79, in welchem der 
neuen Organisation zufolge Parallelcurse zu beginnen haben, anderweitige 
Localitäten beschafft werden müssen. 
Geschenke an das Museum. 
Die Munilicenz Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs 
Rainer, dem das Oesterr. Museum vor allem seine Existenz und sein 
Gedeihen schuldet, dem es aber auch so manchen werthvollen Beitrag 
seiner Sammlungen verdankt, hat diese letzteren auf's Neue mit einer be- 
deutungsvollen Schenkung bereichert. Es sind spanische Gegenstände meist 
älteren Ursprungs. Faiencen, Porcellan, Fliesen, Thonmosaiken, Filigran- 
schrnuck und ein grosses Stück altspanischer Goldledertapete nebst einer 
Manteldecke (Mamas). 
Die ältere spanische Kunstindustrie, sowohl diejenige aus maurischer 
wie nachmaurischer Zeit hat längst ihre Bedeutung als blosse Rarität über- 
holt. Sie ist in gar mancher Beziehung ein wichtiger Factor für die Re- 
generation des modernen Kunstgewerbes geworden. Manches von alt- 
spanischer Art ist bereits nachgeahmt und lebt nun als blühender Industrie- 
zweig weiter. Es sei nur an die tauschirten Eisenarbeiten Zuloaga's 
und Genossen erinnert, die von Ausstellung zu Ausstellung mehr Beifall 
gefunden haben und jetzt bereits einen Weltruf besitzen. Spanische Fliesen 
(Azulejos) sind es auch gewesen, welche vor allem die Bedeckung von 
Fussböden, Wänden, Kaminen mit glasirten oder unglasirten Fliesen ange- 
regt haben, eine Fabrication, die von Jahr zu Jahr sich erweitert und aus 
künstlerischem wie technischem Gesichtspunkte bereits so erfreuliche 
Leistungen aufzuweisen hat. Der Zuwachs, den die Sammlungen mit dem 
erwähnten Geschenk erhalten, theils glasirten Originalfliesen aus maurischer
	        

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