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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)

gegenwärtigen Anforderungen und Bedürfnissen entspricht. Die oberen 
Räume, welche gegenwärtig eine Bilderausstellung von grösseren Dimen- 
sionen enthalten, als sie für gewöhnlich zu erwarten ist, sind im All- 
gemeinen entschieden gut und zum Theile mit grossem Geschicke be- 
leuchtet. Ob die Decke des grossen Oberlichtsaales, sowohl was das Licht 
wie die Schönheit betrillt, als gelungen zu betrachten, darüber mag man 
verschiedener Ansicht sein. Man hat in neuerer Zeit für die Oberlicht- 
beleuchtung häufig die Einrichtung so getroffen, dass man durch eine 
schwebende Leinwanddecke die senkrechten Strahlen des Oberlichtes ab- 
hält und dieses dadurch in hohes Seitenlicht verwandelt. Diese Einrichtung 
ist hier architektonisch zu lösen versucht, indem der Plafond flach gebaut, 
seine Mitte geschlossen, um die feste Mitte aber, gewissermassen als breite 
Bordure, Lichtölfnungen liegen, welche die Bilder darunter beleuchten. 
Der Eindruck frappirt und fordert wenigstens zu Bedenken heraus. 
Minder günstig ist die Beleuchtung des Erdgeschosses oder vielmehr 
des Hoch- und Tiefparterres, obwohl sie durch einen Hof in der Mitte 
und Seitenhüfe unterstützt wird. Diese _mussten aber, um an Benützungs- 
raum zu sparen, sehr klein gehalten werden. Wenn das ein Fehler ist, 
da man fragen kann, ob überhaupt eine bessere Beleuchtung möglich war, 
so ist es auch ziemlich der einzige, der als Mangel am Gebäude erscheint. 
Rein ästhetisch betrachtet, hat der Architekt seine Aufgabe höchst reizvoll 
durchgeführt und sich als einen Künstler erwiesen ,' der eigene Gedanken 
besitzt und seine eigenen Wege geht. Ganz besonders zeigt er sich in 
der Decoration als einen Ornamentisten ersten Ranges von feinstem Ge- 
fühle. Die Fassade, trotz ihrer geringen Dimensionen ein vornehmer, reich 
geschmückter Renaissancebau, ist von äusserst einnehmender, gefälliger 
Wirkung; das Innere, durchaus farbig mit Stuckmarmor und Malereien 
verziert, die Fenster des Hofes mit buntem Glase geschlossen, zeigt höchst 
reizende Effecte und manches auch constructiv interessante Detail. Von 
glücklichster Wirkung ist z. B. die Kuppel, welche die Stiege beleuchtet 
und Abends durch Gasflamrnen in einen Sonnenbrenner sich verwandelt. 
Ebenso gehören die Decorationen der Tonnengewölbe in den kleinen Ca- 
bineten mit Stuck, Vergoldung und farbiger Bemalung zu dem Zierlichsten 
und Gelungensten was man sehen kann. Die Richtung, die sich in diesen 
wie in den Decorationen der anderen, noch reicher geschmückten Räume 
ausspricht, - der Fortschritt, derhier gemacht ist, wenn man sie mit 
der Verzierungskunst vor zehn und zwanzig Jahren vergleicht, sind wahr- 
haft erfreuliche Erscheinungen. Man sieht, die neue Schule wurzelt fest 
in ihren Jüngern und lässt für die Zukunft das Beste hoffen. 
So hat der ungarische Kunstverein für seine Ausstellungen höchst 
würdige und entsprechende Räume erhalten, die auch gewiss, was die 
Grösse betrifft, für das locale Bedürfniss noch eine gute Weile ausreichen 
werden. Schneller, so hoffen wir, wird das Kunstgewerbemuseurn, das 
zur Miethe in dasselbe Gebäude eingezogen ist, an den ihm zugewiesenen
	        

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