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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)

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klang zu bringen, das ist ein Problem sehr schwieriger Art. Es gehört 
eine ungewöhnliche künstlerische Kraft dazu, um dasselbe zu lösen. Mit 
Schüler- oder Lehrkräften, welche nicht auf der Höhe künstlerischer 
Production stehen, ist nichts zu erreichen. Jeder derartige Versuch würde 
scheitern. Es wurden deswegen auf der Lernberger Ausstellung die typischen 
Formen und Muster gekauft, damit sie unseren Künstlerkräften zugänglich 
werden; vielleicht Endet sichder Mann, der Lust und Liebe hat, sich mit 
diesem allerdings sehr schwierigen Probleme zu beschäftigen, denn sonst 
würde die keramische Hausindustrie sehr bald verdrängt und eine Produc- 
tion Platz greifen, welche dem Bunzlau-Znaimer Kochgeschirr auf ein 
Haar ähnlich sein würde. 
Die Korbflecht-Hausindustrie in Krakau, welche durch die 
dortige sehr intelligent geleitete Fachschule gegründet wurde, ist bereits 
ganz rnodernisirt und bald exportfähig. Sie verlangt nichts als das kauf- 
männische Talent, die Arbeitskräfte zu verwerthen. Aber gerade dies ist 
in Galizien sehr schwer; es fehlt daselbst der Bürgerstand, der Träger 
jedweden industriellen Lebens, und der Credit. 
Die Weberei und Stickerei wird vom Landvolke in einem 
grossen Theile von Galizien mit grossem Geschicke betrieben. Es finden 
sich, wie bei der keramischen Hausindustrie, viele orientalische Anklänge 
und wieder Motive, welche in der ganzen europäischen Hausindustrie 
ehemals in Uebung waren. Einige von typischen Mustern sind für das 
Museum erworben worden. Sie werden hier ihre Würdigung finden. 
Die Holzindustrie der Hozulen, in Verbindung mit eingelegtem 
Draht, ist ganz localer Natur; sie erinnert an die Arbeiten in der Slo- 
vakei. Freunde des Gebirgslebens werden an dem geschmackvoll ver- 
zierten Geschirr, den Stöcken und Pfeifen Wohlgefallen haben. 
. R. v. E. 
Bemerkungen auf der Ausstellung in Amsterdam. 
(Auszug aus einem Reiseberichte) 
Im Anschlusse an den statistischen Bericht über die Ergebnisse der 
Ausstellung in Amsterdam') beehre ich mich in Nachstehendem die Beob- 
achtungen auf dem Gebiete der Pflege des Kunstgewerbes, welche ich in 
Holland und auf der Reise zu machen Gelegenheit hatte, vorzulegen. 
Meinen Weg über Berlin nehmend, besuchte ich vor Allem das dortige 
Deutsche Gewerbemuscum, welches, seitdem in dasselbe alle hierzu geeig- 
neten Besitzthümer der königl. Kunstkammer aufgenommen worden sind, 
entschieden zu den reichsten Instituten dieser Art gehört. Es verfügt jetzt 
über ungewöhnlich schöne und vollständige Sammlungen gerade innerhalb 
solcher Zweige der älteren Kunstthätigkeit, von welchen gute Beispiele 
') Vergl. Nr. x44 der mlittheilungenw.
	        

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