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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)

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in Sachsen wohlverdiente Anerkennung, während ein Speiseservice der 
Meissener Porcellanfabrik kein Moment des Fortschritts erkennen liess. Auch 
die sächsische Teppichfabrication erschien diesmal in keinem neuen Lichte. 
Die süddeutschen Staaten waren nur sehr dürftig vertreten. Insbe- 
sondere musste man die Theilnahmslosigkeit der Münchener Kunstindustrie 
beklagen, welche im vergangenen Jahre namentlich mit ihren Goldarbeiten 
und Möbeln Aufsehen erregt hatte, in Amsterdam aber als Hauptstück 
nur einen Schlitten aufzuweisen hatte, allerdings ein charakteristisches 
Beispiel jener phantastischen Rococo-Romantik, welche dort hohe Gunst 
geniesst. So wohl bekannt ist, dass die Kunstgewerbeschule dort selbst den 
Extravaganzen, dessen Herd der Münchener Kunstgewerbeverein zu sein 
scheint, kräftig entgegen arbeitet, war doch auf der Ausstellung ihr Wirken 
nicht zur Anschauung gebracht; und die Nürnberger Anstalt ist soeben 
in einer Umgestaltung begriffen. 
Aus dem Elsass war die Industrie des Stolfdruckes mit den Einsen- 
dungen einer Firma in Mühlhansen erschienen. Dieselben repräsentirten 
ein grosses für die verschiedensten Geschmacksrichtungen arbeitendes Ge- 
schäft, und wir sahen neben dem buntesten Blumenunwesen auf Möbel- 
stoifen die vorzüglichen Proben der Nachbildung altitalienischer und orien- 
talischer Muster, welche der vollen Beachtung unserer Industrie werth wären. 
Dass Holland selbst auf diesem Völkercongresse keine glänzende 
Rolle spielen werde, darüber waren die Einsichtigen des Landes im voraus 
mit sich im Reinen gewesen. Sie haben ja eben diese Ausstellung veran- 
staltet, um ihren Landsleuten unwiderleglich die Nothwendigkeit der Urn- 
kehr zu demonstriren. Das Wort Umkehr ist gerade in diesem Falle 
bestens am Platze. Denn in denjenigen Industriezweigen, für welche in 
Holland die natürlichen Bedingungen vorhanden sind, haben das sech- 
zehnte und das siebzehnte Jahrhundert das absolut Mustergiltige geschaffen, 
und kann das noch vielfach Vorhandene aus jenen Zeiten den Epigonen 
zeigen, was ein nationaler Styl ist. Und die Führer der mit der dies- 
jährigen Ausstellung ins Leben gerufenen Bewegung wollen auch mit vollem 
Bewusstsein nur die Wiederaufnahme der in der Bodenproduction des 
Landes und den Bedürfnissen der Bevölkerung begründeten Kunstindustrie 
und das Wiederanknüpfen an die Blüthezeit. In dem Gefühle der An- 
fängerschaft hatte sich die neue Delfter Keramik noch gar nicht an der 
Concurrenz betheiligt, während die Möbeltischlerei in mehreren stylvollen 
ganz getäfelten Zimmern eine höchst anerkennenswerthe Leistungsfähigkeit 
bekundete und die Teppichfabrication von Deventer, welche 1873 noch 
tief im Naturalismus stack, durch sehr energisches Streben in besserer 
Richtung überraschte. Dagegen hatten die grossen Silberwarenfabriken in 
Amsterdam, Voorschoten u. s. w. wieder ihre wüsten, barocken Tafelauf- 
sätze, Pocale u. dgl. gebracht, deren Genre von früheren Ausstellungen 
her nur zu wohl bekannt ist, und welche diesmal in einem Traubenbecher 
mit so vielen Ranken und Zacken, dass der ihn präsentirende Aussteller 
selbst ihn kaum anzufassen vermochte, ihre Krone fanden.
	        

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