MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 147)

l u 
gelehrt werden müsse. Gegen die Grandauefsche Zeichenschule wurden 
von zwei verschiedenen Seiten Bedenken erhoben; während die Einen fanden, 
dass auch in dieser noch dem Copiren nach der Vorzeichnnng ein zu grosser 
Raum gewidmet und der Stufengang ein den Schüler errnüdender sei, er- 
klärten Andere, das Werk stelle an die Lehrer Anforderungen, welche 
diese nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu erfüllen im Stande sein 
würden - ein Vorwurf, welcher sich also weniger gegen das Werk als 
gegen den Zustand der Lehrerbildung in den meisten Ländern richtet. 
Für kunstgewerbliche Vorlagenwerke (Preisaufgabe 25) wurde ein 
erster Preis nicht zuerkannt, weil die beiden vorzüglichsten Einsendungen, 
die Publicationen von Regierungsrath Storc k in Wien und von Professor 
Kachel in Karlsruhe in einem Punkte gegen die Bestimmungen des Pro- 
grarnmes verstossen, indem sie neben Aufnahme älterer Gegenstände auch 
Cornpositionen der Herausgeber bringen, und zum Theil die Objecte in 
einem -- vergrössernden - Maßstabe geben, welcher bei den Schüler eine Ä 
falsche Vorstellung hervorrufen könnte. . 
Schliesslich erlaube ich mir zu erwähnen, dass in Brüssel das in der 
Tour de I-Ial untergebrachte Museum alter kunstgewerblicher Arbeiten, 
welches durch die Schenkung des Herrn de Ravestejn in Lüttich insbe- 
sondere an etruskischen und griechisch-römischen Arbeiten ausserordentlich 
reich geworden ist, während es schon früher mit Möbeln, Eisen-, Glas- und 
Ernailarbeiten des Mittelalters und der Renaissance vorzüglich ausgestattet 
war, soeben neu aufgestellt wird und wie es scheint, bestimmt ist, als Kern 
für eine kunstgewerbliche Bildungsanstalt zu dienen; und dass in Frank- 
furt sich ein wmitteldeutscher Kunstgewerbevereinu gebildet hat, welcher 
in den bald freiwerdenden Räumen des StädePschen Instituts ein Museum 
nebst kunstgewerblicher Schule zu etabliren beabsichtigt. Vorderhand ist, 
um das grössere Publicum für die Sache zu interessiren, eine permanente 
Ausstellung in einem gemietheten Locale eröffnet worden, an welcher dortige 
und auswärtige Industrielle sich lebhaft betheiligen. Die Bedingungen des 
Gedeihens einer solchen Anstalt sind in Frankfurt in ungewöhnlicher Voll- 
ständigkeit vereinigt. Während in der Stadt, welche so lange Zeit aus- 
schliesslich Börsenplatz war, sich in dem Jahrzehnt seit Aufhebung der 
völlig mittelalterlichen Gemeinde- und Zunftordnung ein blühendes Ge- 
werbeleben entwickelt hat, bildet sie den natürlichen Mittelpunkt eines 
Gebietes, zu welchem so namhafte Industriestädte wie Offenbach, I-Ianau, 
Mainz, Mannheim gehören. Der Wohlstand der Bevölkerung hat sich von 
jeher mit einem gewissen Kunstsinne gepaart und der Gemeingeist, welchem 
Frankfurt so grossartige Institute, wie das StädeYsche, das Senkenbergische 
u. a. m. verdankt, setzt eine Ehre darein, sich jetzt um so entschiedener 
zu documentiren, als die Stadt sich von der Regierung zurückgesetzt 
glaubt. Eine lebhafte Verbindung mit Oesterreich zu unterhalten und in 
allem dem Vorbilde des Oesterr. Museums und der Kunstgewerbeschnle 
zu folgen, ist der ausgesprochene Wunsch der leitenden Persönlichkeiten. 
B.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.