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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 150)

schon mit 16 und x7 Jahren in den technischen Fertigkeiten vollständig 
zu Hause waren, was heutigen Tages in keiner Akademie und in keiner 
Malerschule der Welt erreicht werden kann, weil alle jungen Jahre für die 
Erwerbung der allgemeinen Bildung, und zwar einseitig absorbirt werden, 
und daher für die Erwerbung technischer Fertigkeiten keine Zeit übrig bleibt. 
Auch machen die technischen Fertigkeiten dem Knaben Vergnügen, er 
erlernt dieselben sozusagen spielend; es ist ein Bedürfniss der Jugend sich 
mit der Hand werkthätig zu beschäftigen, während die Erlernung der 
technischen Fertigkeiten in späterer Zeit oft eine harte Arbeit ist. Viele 
Künstler sind daher, so geistig ausgebildet sie sein mögen, technisch doch 
nur mangelhaft geschult, und leiden durch ihr ganzes Leben hindurch an 
dieser mangelhaften technischen Schulung. S0 in der Kunst! - Und im 
Gewerbeleben sollte es Anders sein? 
Würde das Atelierleben in der Kunstwelt, die Werkstatt im Hand- 
werkerstande in voller Blüthe stehen, so brauchte man weder eine Aka- 
demie, noch eine Fachschule noch eine elementare Arbeitsschule - son- 
dern wir sagten den Knaben und Jünglingen, geht in das Atelier, wie zur 
Zeit Rafaels oder Rubens, oder geht in die Werkstatt, sie lehrt euch das 
Handwerk. Aber weder das Eine noch das Andere können wir thun, - 
denn gute Ateliers und musterhafte Werkstätten gehören zu den grössten 
Seltenheiten. Da aber innerhalb der Werkstätte eine gründliche Fach- 
bildung nicht zu erzielen ist, so drängt in Deutschland Alles zur Fach- 
schule undLehrwerkstätte. Bei diesem Zustande der Werkstätten hat 
sich in den Köpfen unseres Arbeiterstandes die Idee festgestellt, der Staat 
müsse für die gewerbliche Bildung allein sorgen. Es ist ja die möglichste 
Ausbeutung des Staates durch den Einzelnen auf der einen Seite und die 
weitgehendste Ideologie auf der anderen, gesetzgeberischen Seite die 
Signatur der Zeit. Der Staat soll für Alles sorgen, für Alles verantwort- 
lich sein - der Einzelne debarrassirt sich seiner Pflichten und die ideo- 
logische Gesetzgebung acceptirt den Stand des Egoismus des Einzelnen. 
Für die Kunst und das Gewerbe ist die Technik absolut nöthig, und 
es ist daher unerlässlich, dafür zu sorgen, dass die technischen Fertig- 
keiten schon in jungen Jahren erlernt werden. Es muss ein Modus ge- 
funden werden, um die gewerbliche Arbeitsschule mit der Volksschule zu 
verbinden, wenn nicht die erwähnten Uebelstände von Generation zu 
Generation sich forterben sollen, denn heutigen Tags leidet der Gewerbe- 
stand an dem Uebel, dass er keine ordentlichen Arbeiter hat, keine Hilfs- 
arbeiter, welche von Jugend auf für das Gewerbe vorbereitet werden. 
Für die kunstgewerblichen Fachschulen speciell ist es eine Lebensfrage, 
dass diese Lücke in unserer gewerblichen und unserer Schulbildung aus- 
gefüllt und die kunstgewerbliche Arbeitsschule mit der Volksschule in eine 
directe Verbindung gebracht werde. Das ist ein Vorschlag, den ich schüch- 
tern hier ausspreche, wohl wissend, wie schwierig die Lösung desselben ist.
	        

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