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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 150)

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Oh" ein solches Zimmer nothwendig ist oder sich als praktisch erweisen 
wird, überlassen wir competenteren Leuten und der Zukunft. Schwerlich 
wird aber ein feuersicheres Gemach, auch für eine kaiserliche Schatz- 
kammer, eine so reiche und kostbare Decoration verlangen und eben so 
schwerlich ein Salon sich mit Metall decken. Indessen als Ausstellungs- 
gegenstand, als Zeugniss der Leistungsfähigkeit mag man auch diese Arbeit 
sich gefallen lassen. 
Will man die Schöpfungen der Goldschmiedekunst von einem abso- 
luten Standpunkte aus richtig beurtheilen, so hat man vor Allem auf die 
Schönheit der Zeichnung in Composition und Detail sowie auf die Feinheit 
der Arbeit zu sehen. Am Mangel an beiden krankten die bisherigen Ge- 
genstände und die unsrigen zumal; die französischen hatten bei ihrer 
überaus grossen Willkür in der Composition wenigstens den Vorzug einer 
zierlichen Ausführung. Auf diesem Standpunkte der französischen Schmuck- 
arbeiten steht in der Weihnachts-Ausstellung die ganze Collection von 
S. Politzefs Söhnen, höchst willkürlich in der Erfindung, aber doch 
von sorgfältiger und zierlicher Arbeit. Den anderen Standpunkt nahmen 
schon bisher auf unserer Ausstellung V. Meyer's Söhne ein; sie haben 
ihn auch diesmal festgehalten und wiederum eine Anzahl Gegenstände 
von wirklich künstlerischer Erfindung uns vor Augen geführt. Unter 
ihnen prangt vor Allem ein Halsband und ein Diadem nach antiker Art. 
Wir constatiren mit Vergnügen, dass diese Art des Schmuckes, in 
welcher lange Zeit Castellani einzig dastand, auch in Oesterreich festen 
Fuss gewinnt. Neben Mayer's Söhnen haben Rainer's Erben, welche 
dieses Jahr zum ersten Male auf der Weihnachts-Ausstellung erscheinen, 
die gleiche Richtung eingeschlagen; in ihrer Collection zeichnen sich 
insbesondere einige Brochen und einige andere Gegenstände von reiner 
durchbrochener Goldarbeit in zierlichster Zeichnung aus. Beide Firmen 
haben auch verschiedenes Geräth in Silber ausgestellt, das sich ganz auf 
dem richtigen Wege befindet, Gegenstände für die Tafel oder den Thee- 
tisch in den fein profilirten Formen des sechzehnten Jahrhunderts ge- 
halten, aber freie Erfindung. 
Was an diesen Arbeiten anzuerkennen ist, das Streben nach guter 
Composition und Zeichnung, das fehlt leider noch vielen Metallarbeiten 
verwandter Zweige. Dahin gehören die Tauschir-Irnitationen wie die ver- 
schiedenen Niello-Arbeiten. Die Einen wie die Anderen streben nach Po- 
pularisirung einer überaus feinen Technik, wogegen an sich nichts einzu- 
wenden ist. Aber die Popularisirung schliesst eine schöne und edle Zeich- 
nung des Ornamentes nicht aus, ja sie verlangt sie gebieterisch. Leider 
ist dies die Schwäche jener Tauschir-Imitationen, während die Niellen an 
überaus grosser Dürftigkeit und Phantasielosigkeit des Ornamentes, ge- 
paart mit Willkür der Formen, leiden. 
Davon machen nun freilich ein paar Gegenstände, die ihre Technik 
in echtester und vollendetster Art zeigen und sich überhaupt hoch über
	        

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