MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 153)

versuche von Fiedler und Riepel, als seien dieBildwerke auf dem Braun- 
schweiger Gefässe Darstellungen einer Feier der Thermophorien oder der 
Frühlingsfeier in den kleinen Eleusinien. Unstreitig weist das Drachen- 
gespann auf dem Gefässe zunächst in Verbindung mit andern Einzelheiten 
auf jenen Mythuskreis. Aber ein weiteres Eindringen in das Detail zeigt 
absolute Unvereinbarkeit der verschiedenen Compositionsgruppen mit dem 
erwähnten Mythus, immer mehr fühlen wir, dass uns der Boden unter den 
Füssen entschwindet, dass wir uns von dem Kreise der uns geläufigen 
Anschauungen entfernen, um schliesslich auf jeden weiteren Versuch hier 
zur Klarheit und zu einer bestimmten Deutung zu gelangen, wohl für 
immer zu verzichten. 
Brunn versucht hierauf der Sache von einer anderen Seite näher zu 
kommen. Bekanntlich wird das Gefäss von den Einen für griechische Ar- 
beit der Alexandrinischen Epoche, von Andern für eine römische, vielleicht 
noch etwas jünger als die Zeit der Antonine gehalten. Eine genaue Analyse 
der Formen und des Styles der Arbeit lässt es jedoch Brunn unmöglich 
erscheinen, dem Werke irgend eine Stelle in der Geschichte der alten 
Kunst anzuweisen und so steht er nun schliesslich vor der Frage: was 
nöthigt uns denn überhaupt, die ganze Arbeit für antik zu halten? - 
Ueber die Geschichte des Prachtgefässes vor seiner Erbeutung durch 
deutsche Söldner im Jahre 1630 zu Mantua aus dem Besitze der fürst- 
lichen Familie der Gonzaga wissen wir gar nichts, auch nicht ob es da- 
mals für antik gehalten wurde; seine damalige Goldfassung war aber nach- 
weisbar nicht antik. Wohl aber war die Steinschneidekunst in Italien im 
XVI. Jahrhundert wieder zu neuer Blüthe gelangt; und in die zweite Hälfte 
dieses Jahrhunderts verlegt Brunn nun das Onyxgefäss. Auch die Glyptik 
suchte sich wie die Renaissance überhaupt in ihren Kunstdarstellungen 
nach Inhalt und Form dem Alterthum anzuschliessen, ohne deshalb eine 
Fälschung zu beabsichtigen, sondern nur freie Reproduction oder freie 
Schöpfungen im Sinne der antiken Kunst, soweit man es eben damals 
verstand. Die damalige unkritische Kenntniss des religiösen Cultus mit 
seinen Geheimlehren und Gebräuchen, über die auch die heutige Wissen- 
schaft noch nicht viel Sicheres festzustellen vermochte, erklärt das Ver- 
schwommene und Unklare der Composition auf dem Gefässe, an der daher 
jeder ernste Erklärungsversuch zu Schanden werden muss. Und ebenso 
verhält es sich mit dem Styl der Arbeit; der Künstler strebt, sich antiken 
Vorbildern anzuschliessen, aber in einer Menge von Einzelheiten, wie im 
Gesammtcharakter verräth er, dass er sich über eine rein äusserliche 
Nachahmung nicht zu erheben vermag. 
Aehnliche überraschende Erscheinungen ergeben sich für Brunn bei 
der Betrachtung der Farnesischen Onyxscbale im Museum von Neapel, 
deren Ruhm dem Braunschweiger Gefässe nicht viel nachsteht. Eine Ab- 
bildung davon findet man im Museo Borbonico XII, S. 47. Schon die 
Erklärung Uhdens in den Abhandlungen der Berliner Akademie für r835,
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.