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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 153)

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S. 487, dass auf der Onyxschale von Neapel wEgypten dargestellt ist, in 
dem Schmuck der Fruchtbarkeit, in der regensvollen Jahreszeit nach der 
Ueberschwemmung und dem Ablauf der befruchtenden Gewässer des alten 
einheimischen Flusses-i etc., enthält für Brunn unlösbare Widersprüche. 
Was den künstlerischen Charakter der Arbeit betrifft, so ist der Kunststyl 
wohl reiner, und nähert sich mehr dem Alterthum, als dies in dem 
Braunschweiger Gefässe der Fall ist. Doch ist die Charakteristik der ein- 
zelnen Gestalten auch hier nur äusserlich genommen, von verschiedenen 
Orten zusammengesucht, nicht einheitlich aus dem Geiste des Künstlers 
herausgewachsen. 
Besondere Beachtung verdient noch das Ganze der Composition im 
Verhältniss zum gegebenen Raume. Die ganze Schwere derselben neigt 
nach der linken Seite und nach unten, während die andere Hälfte rechts 
nach oben zu leicht empor schnellt, und während links die Composition 
hinter dem Baumstamm eine Lücke zeigt, klebt sie rechts zu sehr an dem 
Umrisse des runden Felsens, der sogar den Ellenbogen der zweiten Nymphe 
geradezu abschneidet. Antike Arbeiten pflegen bei genauerer Betrachtung 
_zu gewinnen. Hier werden wir anfangs durch Sauberkeit und geschickte 
Eleganz der Ausführung geblendet; aber längeres Studium führt uns auf 
die tiefer liegenden Schwächen. Die bisherigen Beobachtungen gewinnen 
eine weitere Bestätigung durch die Betrachtung der untern Seite der 
Schale. Dieselbe trägt ebenfalls einen Reliefschmuck, der aber nicht inner- 
halb eines erhabenen Randes auf einer vertieften Fläche liegt, sondern 
sich auf der Fläche ausbreitet und durch seine Unebenheit die tektonische 
Function derselben, der Schale einen ruhigen und sichern Stand zu ge- 
währen, vernichtet. Dazu kommt die durchaus nicht antike Regellosigkeit 
in der Zahl und Anordnung der Schlangen, welche den Rand der Aegis 
ganz losgelöst umspielen und der Mangel jenes architektonischen Cha- 
rakters, der gerade dem Gebilde des Medusenhauptes so eigenthlimlich ist 
und es zu decorativer Verwendung, welcher es ja auch hier dienen soll, 
so geeignet macht. Jedenfalls also begegnen wir auch hier mehrfachen 
Spuren von einem nur halben und daher ungenügenden Verständniss an- 
tiker Muster. Und klingt es nicht wie eine Ironie, dass die älteste Kunde 
von dieser Onyxschale des Museums von Neapel, wie bei dem Braun- 
schweiger Gefässe, wiederum auf einen pllindernden Soldaten zurückführt. 
ln diesem Falle soll der Raub beim Sacco von Rom 1527 durch die 
Armee des Herzogs von Burgund geschehen, sogleich darauf das corpus 
delicti von dem Hause Farnese angekauft worden sein. Dieser Bericht be- 
weist höchstens, dass die Schale 1527 bei der Plünderung Roms bereits 
existirte. Autiällig bleibt bei alledem vdass von einem so kostbaren und 
im Museum der Farnese der Betrachtung zugänglichen Objecte zuerst im 
Jahre 1736 durch Maffei wissenschaftlich Notiz genommen wirdu, 
So werden wir durch die Betrachtung des Werkes Selbst und seine,- 
Geschichte wiederum zu dem Schlusse geführt, dass wir es allerdings
	        

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