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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 3)

Notizen. 
Kunstgewerbltclte Ausstellung in Triest. Die i-Soeieti degli Amici dem Am. 
in Triest veranstaltet daselbst am l. Mai d. J. in den Salen des städtischen Mugguma 
Revoltella eine Kunstgewerbe-Ausstellung, welche für die Dauer eines_ Monates bgfgchne! 
ist. Ausgestellt werden: Erzeugnisse des Kunstgewerbes im Allgemeinen, kunngewu-b. 
liche Projecte, Erzeugnisse der vervielfaltigenden Kunst, als: Kupferstiche, Hqlg5chnittc, 
Lithographien, künstlerisch ausgeführte Photographien, Kunstdruck-Arbeiten, ferner 
Malereien auf Glas, Porzellan, Holzschnitzereien, Graveurarbeiten, Bronze- und Eiggn. 
gegenstande, Kunstmobel, Drechslerarbeiten, Buchbinderarbeiten, Spitzenarbeiten und 
Kunststickereien, Posamentieren, Tapezierarbeiten u. s. w. 
Vattoanlsehe Ausstellung. Aus Rom wird berichtet: -Die vaticaiiisehe Aus- 
stellung ist noch immer im Wachsen. Tttglich kommen Kisten und Colli mit Geschenken 
für den Papst an. Von kirchlichen Gerathen zahlt man bis jetzt: 300 geistliche Ringe. 
9000 Kelche, 30.000 Stolen, ioo.0o0 Pectorale, 50.000 Messgewander und 40.000 Chor- 
hemden. Sehr viele dieser Messgegenstande sind von außerordentlichen: Werthe. So die 
Stola der Damen von Bogota (Columbia); sie ist aus Silberbrocat, geschmückt mit 
14.800 Perlen, 300 Smaragden und 340 Diamantenm 
Setdeutnduatrle-Ausatallung in Oomn. in Como, einem der Hauptcentren der 
oberitahenischen Seidenindustrie, wird eine große Seidenindustrie-Ausstellung vorbe- 
reitet, welche alle Zweige des Seidenbaues, der Seidenspinnerei und -Weberei ein- 
schließlich aller einschlägigen Maschinen und Apparate umfassen soll. Das überaus 
rnhrige Localcomittä, welches die Forderung der Angelegenheit in die Hand genommen 
hat, lasst es an keinerlei Bemühungen fehlen, die Ausstellung zu einer möglichst glan- 
zenden und umfassenden zu machen und die Theilnahme aller Interessenten für das 
Unternehmen wachzurufen. Die Ausstellung war ursprünglich für das Jabr 1883 geplant, 
wird aber voraussichtlich aaf 1889 verschoben werden, da in diesem Jahre bereits eine 
andere große Fachausstellung in Bologna stattfindet und die Regierung den erbetenen 
ziemlich bedeutenden Kostenbeiirag nur für 1889 zusagen zu können erklart hat. 
(Bayer. Gew.-Ztg.) 
Hans Bnrgkmair. Ueber die ersten Renaissancebauten in Deutschland hat 
Dr. Groschel in München neuerdings Untersuchungen angestellt, in denen er zu dem 
Ergebnisse gelangt, dass die Bauten Jacob's ll. Fugger in Augsburg auf Hans Burgktnair 
als den ersten Renaissance-Architekten hinweisen. Jacob Fugger, in Venedig erzogen, 
kehrte nach Deutschland durchaus befangen in italienischer Anschauung zurück. Er 
erbaute zunächst die Fugger-Capelle St. Anna und die Fugger-Hauser, bei denen der 
nitalienisthe Hof: nlchst dem Weinmarkte besonders zu beachten ist. Die Fugger- 
Capelle (tgio-igtz) lasst durch ihren reinen Stil annehmen, dass die prlchtigen Bild- 
hauerarbeiten aus ltalien über die Alpenpasse gebracht worden seien. Der Fugger-Hof 
lasst ebenfalls italienische Vorbilder erkennen, doch sind die Einzelformen im Kleinen 
entschieden von deutscher Arbeit. Dr. Grdschel ist der Meinung, dass die Fresken 
daselhst sowie vielleicht der ganze Entwurf von Hans Burgkmair herrühren, der bei dem 
großen Bilde vChristus und Maria: (in der Augsburger Galerie) auch alt der erste Maler 
Deutschlands erscheint, der Renaissancemotive verwerthete. Wenn dieses kunstliebenden 
Jacob Fugger Bauten zunachst auch von den Humanisten unbeachtet geblieben sind, so 
geht noch, wie Dr. Groschel in einem Vortrage in München des Weiteren ausführte, 
aus Allem hervor, dass in Augsburg zuerst die Renaissance ihren Einzug in großem 
Stile gehalten habe. 
Griechische Altßthhllmer. Aus Athen wird gemeldet: vln der Nachbarstadt von 
Theben, der Hauptstadt von Bootien, sind die Ueberreste des berühmten alten Tempels 
der Kabeiroi (Kabiren, geheimnissvoller, wie in Theben, so auch in Aegypten und Klein- 
asien verehrter Gottheiten) entdeckt werden. Das Gebaude, welches von Pausanias 
geschildert wird, wurde im Verlaufe einiger Ausgrabungen, die von der deutschen 
archaologischen Schule von Athen ausgeführt Wurden, vorgefunden. Außer den Ruinen 
dieses Tempels wurden verschiedene andere wichtige Gegenstände entdeckt, darunter 
Vasen, zahlreiche kleine Stiere und Ziegen in Bronze und Blei; ferner eine Bronze- 
statuette einer der weiblichen Gottheiten oder Kabiriden, eine Krone aus Epheubllttern 
tragend, mit einer Maake hinter dem Kopfe, wahrend ilir Sohn ihr Wein credenzt. Die 
Entdeckungen sind von großem Werthe, da sie einige dunkle Punkte der helleniachen 
Mythologie aufklären.- 
Fiir die Redaction verantwortlich: J. Foluric: und F. Ritter. 
Selbstverlag de: k. k. Oeaterr. Museums fiir Kunst und lnduatrie. 
Buehdruekerd von Carl umittu am. n. m".
	        

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