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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 4)

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restauriren oder neu zu decoriren sind, einen bestimmten Stil an sich 
tragen. Nehmen wir z. B. eine gothische Kirche, heute ja der häufigste 
Fall. Wir werden gewiss nichts dagegen einwenden, wenn die ganze 
Decoration sich in der Art des vierzehnten Jahrhunderts hält, welche sich 
der Architektur und ihrem Detail getreu anschloss und mit reichen 
Farben, so viel wir noch sehen können, durchwegs eine reiche, aber auch 
harmonische und schöne Wirkung machte. Es wäre nur zu rathen, ein 
wenig auf das moderne Gefühl Rücksicht zu nehmen und nicht zu 
kräftig, zu laut, möchte ich sagen, in die Farbe zu gehen. Wir sind auf 
dem Wege die Farbe zu liehen, aber wir können noch nicht alles ver- 
tragen. Das moderne Gefühl ist mit der überreichen Wirkung der neu 
decorirten Sainte Chapelle in Paris noch nicht völlig ausgesöhnt. 
Aber ein Anderes fordert eine Antwort heraus. Wie, sollen wir, 
indem wir eine Kirche im Stile des dreizehnten oder vierzehnten Jahr- 
hunderts auszuschmücken haben, sollen wir auch die figürlichen Male- 
reien ganz in der Unvollkommenheit jener Epoche halten, mit der Schwäche 
des Ausdrucks und der Unbeholfenheit der Bewegungen und der Ge- 
berden, mit all" der falschen, oft lächerlich falschen Perspective? 
Wenn es sich darum handelt, alte noch vorhandene Malereien zu 
ergänzen - nun immerhin, man respectirt das Alter, die Geschichte 
und macht die Ergänzung in Art und Stil des Vorhandenen. Wo aber 
nichts vorhanden ist, wo alles neu zu schaffen, da stellt sich die Sache 
doch anders. Die Unvollkommenheit ist allerdings ein Gebrechen der 
Zeit, aber eben ein Gebrechen; wenn jene Maler ihre Sache hätten besser 
machen können, sie hätten es gewiss gethan. Es ist also nicht eine Eigen- 
schaft des Stiles. Ist es schon verkehrt, die ganzen symbolischen Bilder- 
kreise der Typologie auf die Wände der Kirche zu malen, da ihre Be- 
deutung ja nicht verstanden wird, so noch viel mehr diese Bilder mit 
allen Mängeln der Zeichnung, mit allen Fehlern einer oft kindischen Per- 
spective zu behaften. Der andächtige Kirchenbesucher, der Besseres 
gesehen und weiß, dass man es besser machen kann, fragt nach dem 
Warum, schüttelt bedenklich den Kopf, zweifelt und seine Andacht ist 
gestört. Wenn wir heute etwas von dieser mittelalterlichen Malerei 
annehmen können, so ist es die einfache, illutninirende Art derselben, 
welche über manches Detail wie zumeist über die Modellirung hinweg- 
geht. Die Wirkung bei der großen Entfernung der Bilder erlaubt das. 
Dasselbe gilt von der Glasmosaik, wenn wir in der Lage sind, die- 
selbe zum Schmuck unserer Kirchen heute verwenden zu können, denn 
sie ist einigermaßen kostbar. Ich habe schon gesagt, welche herrliche, 
ernste, feierliche Wirkung sie zu bilden vermag, wie sie ganz die Stim- 
mung hervorrufen kann, welche wir in den hohen Kirchenhallen zu 
wünschen haben. Sie muss aber auch in dem einfachen und großen Stil, 
mit Vermeidung aller kleinlichen Ausführung gehalten sein, wie es 
die Mosaicisten der frühen Epoche wie diejenigen im zwölften Jahr-
	        

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