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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 4)

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Wanddecoration und Wandmalerei in der Kirche. 
Von J. v. Falke. 
(Fortsetzung und ScblussJ 
Ein solcher Maler war Fra Angelico von Fiesole, selber ein Domi- 
nikauermönch und als Maler der letzte dieser Gedanken malenden Rich- 
tung. Wenn er bei der Begegnung von Emmaus die beiden Jünger als 
Dominikaner kleidet, die den als Pilger kommenden Christus gastlich 
einladen, oder wenn er bei der Kreuzigung auf dem Calvarienberge die 
Hoheiten und Stützen der Kirche versammelt, St. Johannes den Täufer, 
Cosmas und Damian, Franz von Assisi, St. Dominik, Thomas von Aquino, 
so ist er völlig Dominikaner-Maler und steht im Gegensatz zu Giotto 
und seiner Richtung. Ihm ist es gar nicht um den Hergang zu thun, 
sondern um das, was er damit sagen will; er predigt mit seinen Bildern. 
Dies thut er auch rnit dem Geiste, mit der Empfindung der von ihm 
geschaffenen Gestalten. Der reinste, frömmste, heiligste Geist seiner 
Zeit, erfüllt er seine Gemälde durchaus mit dem gleichen Geiste. Be- 
wegung, Erzählung, Dramatik, gar die Darstellung des Schrecklichen, 
das findet sich nicht in seinen Werken, aber aus allen spricht die Liebe, 
die Dernuth, die Ergebung, die tiefste Frömmigkeit. Das theilt sich dem 
Beschauer mit. Wie aus einem Krystall leuchtet ihm in voller Klarheit 
und Reinheit seine Seele entgegen, und daher rührt der Reiz, das Wohl- 
gefallen an Fra Angelicds Bildern, und daher hat man ein gewisses 
Recht, ihn als den specifisch christlichsten aller Maler zu betrachten. 
Aber damals in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts 
steht Fiesole schon allein in dieser seiner Art, die Richtung der Domi- 
nikaner in tiefster und würdevollster Weise abschließend. Schon war 
neben ihm ein Maler aufgetreten, der die Kunst Giotto's neu aufnahm, 
sich an die Spitze der realen Bewegung stellte, -in dieser Richtung alles 
künstlerische Vermögen seiner Zeit vereinigte und der nachfolgenden 
Entwickelung zur Grundlage diente. Das war Masaccio, der Schöpfer 
der Gemälde in der Brancacci-Capelle von del Carmine in Florenz, ein 
Künstler, dem das Leben nur wenige Jahre der Arbeit schenkte, weniger 
noch als seinem größeren Nachfolger Rafael. 
Diese, wie wir gesehen haben, von Giotto als Franziskanerkunst 
begonnene Richtung hatte zum Ausgang und Ziel die reale Darstellung 
der Begebenheiten, real nach den äußeren Umständen und den inneren 
Motiven, und zugleich" die möglichst vollkommene Darstellung des Men- 
schen. Dieses letztere Ziel zumal brachte es mit sich - obwohl es kaum 
nöthig erscheinen will - dass, je mehr die Kunst sich vollendete, je mehr 
die Kenntniss des Menschen und die Fähigkeit ihn bildlich darzustellen 
der Höhe entgegenstrebten, umsomehr die Kunst von der Kirche oder 
besser vielleicht vom religiösen Gehalte sich loslöste. Mit jedem Schritte 
vorwärts auf diesem Wege ging sie rückwärts von ihrer bisherigen engen
	        

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