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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 5)

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Der lnhalt der Felder und die Art der Behandlung im Hochrelief 
war gleich im ersten Contracte, dem später in längeren Zeiträumen neue 
Stipulationen folgten, festgestellt wurden , und Luca della Robbia hielt 
sich in der Ausführung fast ganz an das Programm. In zehn quadra- 
tischen Bildflächen sind oben Maria mit dem Kinde und Christus auf 
seinem Grabe zwischen Engeln, darunter die vier Evangelisten und noch 
weiter unten die vier Kirchenväter dargestellt, sämmtlich sitzend zwischen 
zwei jugendlichen Engeln; in jeder Ecke der Bildrahmen befinden sich 
statt der Knöpfe oder Rosetten kleine zierliche Brustbilder, ähnlich den 
aus Medaillons herausragenden Köpfen an den Rändern der Thürflügel 
GhibertYs am Hauptportal des Baptisteriums. Die Thür unseres Meisters 
hat ebensoviel Felder, wie jene hochberühmte des großen Lorenzo 
Ghiberti; aber welche Fülle plastischen Lebens, welche wechselnde Mannig- 
faltigkeit von Historien auf perspectivisch vertieftem Schauplatz umfassen 
dort die einzelnen Bildrahmen, während die acht sitzenden Gestalten 
an der Sacristeithür unseres Meisters in ihrer absoluten Situationslosig- 
keit doch den Eindruck einer gewissen Monotomie machen. Vielleicht 
hat Donatello nur deshalb nicht Wort gehalten, weil der Auftrag und 
das Thema ihn langweilte. Der gewissenhafte Meister Luca machte, was 
man von ihm verlangte; er rückte dadurch unwillkürlich an die ältere 
Kunstweise heran und näherte sich in der Auffassung den Evangelisten 
und Kirchenvätern in den zwei unteren Reihen der früheren Erzthlir 
GhibertPs, ja noch mehr den acht thronenden Tugenden auf der Johannes- 
thür Andrea Pisands. Aber was dort nur ein Anhang, ein Supplement 
ist, wurde bei der Thür Luca's Hauptsache. So sah er sich denn nur 
auf den einfachen Gegensatz von Würde und heiliger Gravität in den 
sitzenden Gestalten, von Anmuth und Lieblicbkeit in den Engeln gewiesen, 
und diese sind denn auch völlig von dem echten holdseligen Engels- 
thüre weder gelöthet noch gereinigt und nachgeputzt waren. Da Maso di Bartolommeo, der 
wahrscheinlich nur als technischer Hilfsarbeiter mitthat, inzwischen gestorben war, wurde 
seinem Bruder, dem Giovanni di Bartolommeo, die Ciselirung der Umrahmungen der 
Reliefs von Meister Luca übergeben. Wie viele waren bis dahin fertig? Sicherlich nicht 
alle! Sonst hatte in dem letzten Contracte, welchen die Dombauverwaltung mit ihm am 
lo. August 1465 abschloss, nicht noch ausdrücklich die Forderung gestellt werden 
können: ua fare conpiere et storiare dette porte et ongni altra et qualunque cosa 
come nella prima alloghagiune si contiene....a Es standen also damals noch gewisse 
nHistorienn oder Figurendarstellungen aus, die im Sinne der ersten Vereinbarung von 
1446 auszuführen waren. Wir können daher unmöglich annehmen, dass die im Wesent- 
lichen fertigen Thürflügel etwa wegen noch ruckstandiger technischer Nacharbeiten so 
unbegreiflich lange in der Werkstatt des Meisters liegen geblieben wären. Diesem wider- 
spricht auch die festgestellte Thatsache, dass im November 1474 an Andrea Verncchio 
eine bestimmte Summe ausgezahlt wurde, weil er das nüthige Brunzematerial für den 
Guss der zwei letzten Felder der Thüre geliefert hatte. nAndrea del Verocchio dee avere 
per metallo prestato a Luca e a Michelozzo per gettare le due ultime storie 
dclla porta de la sagrestia, fior.....- (Cavallucci, Santa Maria del Fiore, z. Abth. 
Seite l 37.)
	        

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