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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 5)

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bei welchen sich das künstlerische und persönliche Interesse wohl im 
Gleichgewicht hält. Wir meinen die Miniaturporträts, eine Kunst, in 
welcher das 18. Jahrhundert sich in ungewöhnlicher Weise auszeichnete, 
daher sie denn auch auf unserer Ausstellung eine glänzende Vertretung 
gefunden hat. Und hier ist es ganz besonders die Wiener Kunst, welche 
wir in ihren schönsten und liebenswürdigsten Leistungen bewundern 
können. Obenan stehen die zahlreich vorhandenen Werke von der Hand 
Fügefs. Beigetragen zu dieser außerordentlichen Collection hat vor allem 
die kaiserliche Familie selber, dann das Kloster der Elisabethinerinnen 
in Klagenfurt, welches in die Erbschaft vieler Theresianischen Angedenken 
gekommen, dann Graf Enzenberg, Baron Bourgoing, Baron N. Roth- 
schild u. A. Die dargestellten Personen gehören vor allem der kaiserlichen 
Familie selber an, dem Hofe der Kaiserin, ihren Freunden, Staatsmännern 
und Generalen; Loudon z. B. ist mit besonders schönen Porträts ver- 
treten. Dann Findet sich eine Reihe aus der gräflichen Familie Enzen- 
berg, Porträts aus Fügers Familie mit seinem Selbstporträt. Ein Tableau 
mit acht Miniaturen, Eigenthum Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs 
Rainer, enthält die Brustbilder der Königin Karoline von Neapel und 
von Mitgliedern aus ihrer Familie. Jedem Beschauer dieser schönen und 
feinen Arbeiten wird wohl das Bedauern zurückbleiben, dass dieser 
überaus reizende, im 18. Jahrhundert so blühende Kunstzweig heute so 
gut wie ausgestorben ist. 
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Den glänzenden Werken der Malerei und den prunkvollen Schö- 
pfungen des Kunstgewerbes gegenüber könnten die aus dem Gebiete der 
graphischen Künste und der Schrift zur Schau gestellten Gegen- 
stände fast übersehen werden, würde nicht ihre Reihe und damit die Aus- 
stellung selbst durch die stattliche Zahl der zwar nicht kunsthistorisches oder 
kunstgewerbliches, dafür aber im höchsten Grade culturgeschichtliches in- 
teresse bietenden eigenhändigen Briefe und Resolutionen der Kaiserin eröffnet. 
Diese kostbaren Autographen (über 300) sind zum größten Theile dem 
k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchive, ferner dem k. k. Kriegsarchive, der 
Albertina, dem Estensischen Archive, dem Besitze der Fürsten Schwarzen- 
berg und Khevenhüller, der Grafen Enzenberg und l-larrach entnommen und 
umfassen zeitlich die Jahre 1736 bis 1780. Ihnen wendet sich natürlich ein 
hauptsächliches Interesse zu. Geringer an Zahl ist dagegen, was an Werken 
des Buchdrucks und der Kupferstecherkunst aus der Zeit cler Kaiserin Maria 
Theresia auf der Ausstellung zu sehen ist. Es lag ja auch von vorneherein 
gar nicht in der Absicht, ein charakteristisches Bild von dem damaligen 
Stande dieser beiden durch die Kaiserin mächtig geförderten Künste in 
Oesterreich zu geben, und so ist von Druckwerken nur sehr wenig 
ausgestellt; auch aus der Zahl der durch die k. k. Familien-Fideicommiss- 
Bibliothek und den Fürsten Johann von und zu Liechtenstein (Hauslab- 
Sammlung) reichlich beigebrachten Kupferstiche konnte wegen Raummangel
	        

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