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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

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"Als Luca nach Beendigung der Arbeit an der Sacristeithür be- 
rechnete, was er gewonnen und welche Zeit er aufgewendet hatte, er- 
kannte er, dass ihm wenig blieb und seine Mühe groß gewesen war; 
deshalb beschloss er, keine Marmor- und Bronzewerke mehr zu verfertigen, 
sondern zu trachten, ob er nicht auf anderem Wege reichlicheren Lohn 
ernten könne. Er sah, dass in Erde zu arbeiten sehr leicht war und keine 
Anstrengung kostete; dass nur ein Mittel zu finden noth that, was dieser 
Art von Werken Dauer zu geben vermöchte. Er sann daher unermüdet 
nach, wie man sie gegen die Zerstörung der Zeit schützen könne, bis er 
durch vielfach angestellte Versuche entdeckte, ein glacirter Ueberzug 
(coperta dünvetriato) von Zinn, Glätte, Antimonium und anderen Mineralien 
und Mischungen, in einem dazu geeigneten Schmelzofen zubereitet, er- 
fülle diesen Zweck vollkommen und gebe den Thonarbeiten eine fast 
ewige Dauer. Dieses Verfahren, für welches er als Erfinder großes Lob 
erntete, gab ihm ein Recht auf den Dank aller kommenden Zeiten. Als 
Luca hierin seine Absicht erreicht sah, wollte er, sein erstes Werk der 
Art sollte die Verzierung des Bogens über der Bronzethür sein, die er 
unter der Orgel in S. Maria del Fiore für die Sacristei verfertigt hatte; 
deshalb stellte er dort eine Auferstehung Christi dar, für jene Zeit so 
schön, dass sie als etwas fürwabr Seltenes von Jedermann bewundert 
wurde. Die Kirchenvorsteher, welche dies sahen, wünschten, der Bogen 
über der Thüre der anderen Sacristei, woselbst Donatello die Balustrade 
um die Orgel gearbeitet hatte, möge von Luca in derselben Weise mit 
ähnlichen Figuren und Zierrathen von gebrannter Erde ausgeführt werden 
- und dieser arbeitete daselbst sehr schön die Himmelfahrt Christin: 
Nun berichtet Vasari weiter, wie Luca seine Technik vervollkommnet 
und Mittel gefunden habe, seinen Thonwerken Farbe zu geben, was deren 
Wirkung wesentlich erhöhte. "So verbreitete sich denn der Ruf seiner 
Werke bald durch Italien, ja durch ganz Europa, und es war ein solch' 
Begehren darnach, dass die florentinischen Kaufleute, sehr zu seinem 
Vortheile, ihm immer neue Bestellungen gaben und diese Werke überall 
in der Welt umhersandtenx 
So viel ist vor Allem sichergestellt, dass Luca della Robbia nach 
Beendigung der Sacristeithür seinen Calcul mit dem Majolicageschäft nicht 
erst machen konnte. Seine urkundlich zuerst genannte Arbeit in der von 
ihm erfundenen Technik hatte er bereits 14.43 für den Dorn geliefert, 
und erst 1446 erhielt er den Auftrag für die Bronzethür; und zuletzt 
war sein Testament früher fertig als diese Thür. Es ist übrigens charak- 
teristisch, dass Vasari für den Entschluss des Meisters Luca, ganz zur 
Majolicaplastik überzugehen, ein rein geschäftliches Motiv annimmt; er 
"verdiente: in Marmor und Bronze zu wenig und probirte es deshalb 
mit der Terracotta, in welcher viel leichter zu arbeiten ist -- und siehe 
da! seine Terracotten wurden sogar Exportartikel, an welchen natürlich 
die Kaufleute noch Weiteres verdienten. Nun waren allerdings die genialsten
	        

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