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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

Ludwig, Erzherzogin Maria Theresia, Erzherzog Albrecht und 
Karl Stefan die Ausstellung mit ihrem Besuche. Se. kaiserl. Hoheit 
Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzogin Maria Theresia wieder- 
holten am folgenden Tage ihren Besuch, an welchem auch Ihre kaiserl. 
Hoheit Frau Erzherzogin Valerie in der Ausstellung erschien. Freitag 
den 25. Mai wurde die Ausstellung durch einen Besuch Ihrer Majestät 
der Kaiserin beehrt. Am 30. Mai fanden sich noch lhre kaiserl. 
Hoheiten Herr Erzherzog Karl Ludwig und Herr Erzherzog Ferdi- 
nand Karl in der Ausstellung ein. Wiederholt besuchte die Ausstellung 
der Protector Erzherzog Rainer nach seiner Rückkehr von Cannes. - 
Auch die Königin Natalie von Serbien besichtigte die Ausstellung. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums und die Kaiserin- 
Maria-Theresia-Ausstcllung wurden im Monate Mai von zusammen 37.352, die 
Bibliothek von 1213 Personen besucht. 
Neu ausgestellt: Madonna mit dem Kinde, entworfen und in Holz geschnitzt 
von Prof. Hermann Klotz, bestimmt für den Hauptaltar der Pfarrkirche Gobelsburg, 
Nieder-Oesterreicb. 
Welbnaohts-Ansstellung. In seiner Sitzung vom a. Mai hat das Curatoriurn 
des Oesterr. Museums beschlossen, auch in diesem Jahre eine Weihnachts-Ausstellnng 
zu veranstalten und so von der Gewohnheit nicht abzugeben, obwohl die Zeit unmittelbar 
zwischen der Jubiläums-Ausstellung des n. o. Gewerbevereines und der Jubiläums-Aus- 
stellung des Oesterr. Museums im nächsten Jahre nicht günstig erscheint. Das Curatorium 
willfahrte damit zugleich einem directen Ansuchen des Wiener Kunstgewerbe-Vereines, 
der in seiner letzten Plenarversammlung einstimmig einen dahin gehenden Beschluss 
gefasst hatte. Die Weihnachts-Ausstellung wird demnach unter unveränderten Bedingungen 
stattfinden. Die Anmeldungen werden im Laufe des Monats October bis zum Schlusse 
desselben angenommen. ErölTnet wird die Ausstellung Sonntag den a. December, ge- 
schlossen wie alljährlich am 6. Januar. 
Knnntgewerbesohule. im Atelier des Professors Otto König war im ver- 
flossenen Monate eine eben vollendete Arbeit, ein Weihbrunnkessel mit Figürlichem 
Schmuck in Carrara-Marmor nebst anderen Entwürfen religiöser Art ausgestellt. Der 
Weihbrunnkessel ist auf Kosten des Hoftitel-Taxfonds geschaffen und bleibt im Besitze 
des k. k. Oesterr. Museums. 
Vorlesungen. Am 1. und 3. Marz sprach Jos. Lewinsky über die Schauspiel- 
kunst und ihre Stätte. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher der Vortragende seinen 
Standpunkt als Praktiker dem Gegenstand: gegenüber charakterisirte, wies derselbe auf 
die Haupteintbeilung seines StofTes hin, welcher, einen Zeitraum von zgoo Jahren un-- 
fassend, drei Abschnitte, das antike Theater, die Mysterienbühne und das mit Shake- 
speare beginnende moderne Schauspielhaus ergebe. Es folgte sodann ein kurzer Hinweis 
auf den Ursprung des antiken Dramzfs aus den Dionysien und der Ausbildung der letz- 
teren durch Arion und Thespis. Die Entwickelung der griechischen Theateranlnge wurde 
an dem Beispiele des Dionysos-Thealers in Athen erklärt, das hinsichtlich} seiner Gliederung, 
seines Aufbaues und seiner Zweckmäßigkeit eingehend gewürdigt wurde. lm Anschlüsse 
daran erörterte der Vortragende die einzelnen Theile der Bühne, den gemauerten, mit 
Säulen und Statuen geschmückten Hintergrund, Zahl und Bestimmung der Thüren, die 
beweglichen Decorationen, die drehbaren Coulissen, die kleinere erhöhte Bühne, das 
Theologeion, die Bühnenmaschinerie etc. und entwickelte sodann, auf die Ausstattung 
der Schauspieler übergehend, seine Anschauungen über Zweck und Bedeutung der Cha- 
rnktermasken. ln dem unnatürlichen Zwang der Masken, des Kothurns und aller übrigen 
Zuthaten, welche damit in Verbindung stehen , sieht der Vortragende erstens das Fest- 
halten an religiösen Ueberlieferungen, dann aber eine Folge der Nothwendigkeit, sich 
einer Anzahl von 3000-4000 Menschen verständlich zu machen. Eine solche übermäßige 
Zuschauermenge, die Folge der Demokratie, welche keinem freien Bürger die Möglich- 
keit an dramatischen Aufführungen theilzunehmen, schmälern durfte, verhinderte aber 
die Entwickelung einer eigentlichen Schauspielkunst, da dieselbe eine eminent aristokra- 
tische Kunst ist in dem Sinne, als sie sich an die geistige Aristokratie einer Nation wendet. 
lm Folgenden ging Lewinsky auf das römische Theater über, dessen Bühne ur- 
sprünglich ein leichtes hölzernes Gerüste, dessen Zuschauerraum ein Hügelabhang war. 
Wie aber alle Lebenserscheinungen in Rorn alsbald in ein kaum fassbares Uebermaß 
ausarteten, so entwickelten sich auch die römischen Theater im letzten Jahrhundert vor 
Chr. zu Steinbauten von fabelhafter Pracht und Große. Die Bühne unterschied sich von
	        

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