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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 6)

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nisse kann sich heute der Wahrnehmung nicht verschließen, dass sich die 
ganze Bewegung der industriellen Production auf das Gebiet der ange- 
wandten Kunst hinüberspielt. Die Nationen müssen diesem Vorgange, 
welcher das Resultat einer nothwendigen inneren Reaction ist, mit ge- 
wissenhaftester Aufmerksamkeit folgen, um im gegenseitigen Concurrenz- 
kampfe ihre Stellung zu behaupten. Es war damals eine Zeit, welche La- 
borde mit den treffenden Worten charakterisirtet "Des conceptions banales, 
fabriquees en gros, sont imposees a toutes les industries, au lieu de les 
faire nailre du milieu de leurs besoins. Uhabilite meprisable des faiseurs 
est substituee a Pobservation reflechie et Vetude patiente qui combine 
les donnees les plus pures de Yetude de l'art avec la connaissance appro- 
fondie des moyens d'execution et de la destinationß 
Die Großindustrie litt an einem auffallenden Mangel künstlerischer 
Initiative, ein Umstand, der durch das fiebermäßige Umsichgreifen der 
Maschinenarbeit bis zum Aeußersten verschärft wurde. Die Thätigkeit des 
Arbeiters konnte sich bald mit der der Maschine identificiren lassen. Die 
geistige Befähigung wurde beharrlich negirt, die manuelle Geschicklichkeit 
dagegen mehr und mehr geschätzt. Der Arbeiterstand verfiel sittlich und 
geistig, indem die idiotenhafte Maschinenerziehung das höhere Leben des 
Arbeiters völlig unterbinden musste. Indessen bereitete sich der Um- 
schwung langsam, aber zielbewusst und in mächtiger Ausdehnung vor. 
Dem intelligenten Blick des Fabrikanten blieb es nicht verschlossen, 
dass er in dem gewaltigen Kampfe der Maschinenarbeit nur dann empor- 
kommen konnte, wenn er den Charakter seiner Erzeugnisse mehr und 
mehr auf das Gebiet der menschlichen Intelligenz als auf das der maschi- 
nellen Regelmäßigkeit und Productivität überspielte. Er lernte bald 
erkennen, dass die lntelligenz und der Geschmack des Arbeiters ein 
unerschöpfliches Capital sind; indem man beide zur vollen Entfaltung 
kommen lässt, von verrait la prosperite regnet dans un petit pays, ou 
une contree peu favorisee par la nature, aussi bien qu'au sein des grands 
empires et sous les latitudes les plus richment douees." (Eugene M. O. 
Dognee, l'art et l'industrie. Liege 1863.) Diese mit Hinblick auf Belgien 
geschriebenen Worte haben auch für Böhmen volle Giltigkeit. 
Zu den interessantesten Beispielen für die Frage, welchen Einfluss 
die angewandte Kunst auf die lndustrie, den Volkswohlstand und das 
Wohlbefinden der Arbeiter hat, gehört die Lage der französischen Seiden- 
industrie. Lyon bildet das hervorragende Centrum der bedeutendsten 
Seidenindustriebezirke Frankreichs. Die Weberei, früher zum größten 
Theile Handwerksweberei, zum geringeren Theile Hausindustrie, war 
eine Weberei der faconnirten, von der Kunst geadelten Seidengewebe. 
Die berühmteste Epoche in der Geschichte der Lyoner Fabrication, die 
Epoche eines Revel und eines Philipp de la Salle, war ausgezeichnet 
durch Meisterwerke der Zeichnung, der Farbe und der Webetechnik. Mit 
der zunehmenden Einführung des mechanischen Webestuhles im Großen
	        

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