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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 7)

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weitere, sonderlich fruchtbare Nachfolge. lhn selbst kann man wohl als 
den dritten Träger der Robbia-Kunst bezeichnen: auf die Epoche des 
Luca folgt jene des Andrea, endlich die des Giovanni. Es ist der im Ver- 
laufe der Knnst-Hauschronik sich vollziehende Uebergang vom edel- 
strengeren zum lieblich-schönen und endlich zum versüßten, aber bereits 
auch in's Manierirte ausbeugenden Stil. 
Doch zurück zu Andrea. Er bildet entschieden bei allen großen, 
persönlichen Eigenschaften den Gattungscharakter jener Kunstweise durch, 
und dies ebensowohl in Hinsicht ihrer Technik, als ihrer geistig-künst- 
lerischen Merkmale. Da man das Bezeichnende gern citirt, ist hier dasjenige 
einzuschalten, was Jacob Burckhardt in seinem vCiceroneu zur Charakte- 
ristik der Robbia-Schule sagt; es gilt aber erst völlig von der durch 
Andrea systematisirten Werkstatt: vEs sind allerdings keine höchsten Ziele, 
welche diese Schule verfolgt hat; sie konnte auch nicht die Hauptstätte 
des Fortschritts im Großen sein. Allein was sie gab, so bedingt es sein' 
mochte, es war in seiner Art vollendet. iSie lehrt uns die Seele des 
15. Jahrhunderts von der schönsten Seite kennen .. . . Was als religiöser 
Ausdruck berührt, ist nur der Ausdruck eines tief ruhigen, einfachen 
Daseins ohne Sentimentalität oder Absicht auf Rührung. Und was man 
nicht übersehen möge: jedes Werk ist ein neu geschaffenes Originalwerk, 
keines ein bloßer Abguss. l-lundertmal wurden die gleichen Seelenkräfte 
in gleicher Weise angestrengt, ohne dabei zu erlahmenm 
Die Farbentechnik der glasirten Thonplastik, welche bei Luca, dem 
Schöpfer des ganzen Kunstzweiges, noch manche Schwankungen zeigt, 
wird von den Erben vollends durchgeübt und zu einer sicheren, fertigen 
Consequenz ausgebildet. Die Köpfe und Extremitäten, bei Andrea noch 
häufig die ganzen Figuren, werden auf lange hinaus weiß belassen; der 
Grund zeigt ein mildes Blau, vielleicht den schönsten Ton des Maiolika- 
colorits der Robbia-Schule. Dazu kommt weiterhin für Gewandung und 
verzierendes Detail grün, violett, braun und gelb, theilweise schon mit 
Brechungen und Abstufungen, beiher auch eine discrete Vergoldung. 
Gegen den Rand hin wird die Farhengebung reicher und voller, nament- 
lich in den einfassenden Kränzen und Fruchtgewinden. In der Spätzeit 
dieser Kunstübung treten die zwei Gegensätze hervor: entweder völlige 
Bemalung , die nicht selten in grelle Buntheit mit etwas ordinär 
wirkendem, gleißendem Schillerton ausartete, und dann auf der anderen 
Seite ganz weiß belassene Glasur, die wieder einen kalten Eindruck machte 
und allerdings mit der Erkältung des Formgeflihls gegen den Ausgang 
dieser Kunstgattung hin übereinstirnmte. 
Das Repertoire der Werkstatt bereichert sich in seinen Darstellungs- 
formen. Es dürfte sich empfehlen, hier ein wenig zu classificiren, um 
über das umfassende Material eine Ueberschau zu gewinnen: _ 
t. Das Lunettenbild, dieses Ursprungsmotiv der bedeutsameren 
Majolikaplastik, blieb noch immer die feierlichste Hauptform der Dar-
	        

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