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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 7)

über die Beziehungen Wenzel Jamnitzefs zu Erzherzog Ferdinand. Der 
Briefwechsel stammt aus den Jahren 1556-1562. Zuerst handelt es sich 
um die Herstellung eines größeren Werkes, die Erschaffung von Adam 
und Eva im Paradiese. Jamnitzer schlägt für die Anfertigung des Ent- 
wurfes JacopoStrada vor, welcher dann unmittelbar mit dem Erzherzog 
in Verhandlung tritt, unverkennbar bemüht, den Nürnberger Goldschmied 
in eine untergeordnete Stellung zu bringen. 1557 schickt Jamnitzer als 
Proben einige gegossene kleine Thiere und einen Orpheus nach Prag, 
welchen letzteren er, falls der Fürst ihn nicht zu behalten wünsche, auf 
den Deckel eines Trinkgeschirres anbringen wolle. Dann kommt ein 
silberner Brunnen an die Reihe und endlich die vier Evangelisten in ver- 
goldetem Kupferguss. Die Arbeiten bleiben oft liegen, weil aus Prag die 
Entscheidung oder das nüthige Metall ausbleibt. Der Münzmeister in 
Joachimsthal soll an Jarnnitzer das Silber zu den Brunnen schicken, 
scheint es jedoch nie gethan zu haben und ebensowenig findet sich, dass 
Jamnitzer den nach jahrelanger Arbeit erbetenen Vorschuss" von 200 fl. 
erhalten habe. Ueberhaupt bleibt zweifelhaft, oh eins der Werke wirklich 
zu Ende geführt worden ist oder nicht. Der Brunnen könnte allerdings 
derselbe sein, welcher unter Kaiser Rudolf sich in der Prager Hofburg 
befand. Von den in Vorschlag gebrachten Mitarbeitern wird nur einer 
namhaft gemacht, Mayttes Zynder, nach Schönherfs ansprechender 
Vermuthung der bisher nur als Kupferstecher bekannte Mathias Zündt , 
der als Bildschnitzer und Goldschmied nach Prag gesandt wird. Dass W. 
Jamnitzer Söhne gehabt hat, ist nicht, wie Schönherr annimmt, neu; 
Neudörffer erwähnt ausdrücklich die Kinder der beiden Brüder Albrecht 
und Wenzel. Darauf, dass bei dem Orte Jamnitz in Mähreu früher Silber- 
bergbau betrieben worden ist, was wahrscheinlich macht, dass der Vater 
WenzeVs von dort nach Wien gekommen und den Namen erhalten habe, 
wird in Bucher's Geschichte der technischen Künste hingewiesen. - Bei- 
läufig bemerkt dürfte unter "Ehbaumu, welches nebst anderen Hölzern 
an einem Postament zur Verwendung kommen soll, wohl nicht Eschen- 
sondern Ebenholz zu verstehen sein, da auch von Silbereinlagen in das 
schwarze Holz gesprochen wird. ß_ 
Ausstellung in Tokio. Jüngsten Nachrichten aus Japan zufolge beschäftigt sich 
die dortige Regierung ernstlich mit dern Plane der Veranstaltung einer asiatischen Aus- 
stellung in Tokio im Jahre 189a, in welcher die Producte und die Industrie-Erzeugnisse 
orientalischer Provenienz in Betracht gezogen würden. 
Historisches Museum der Stadt Wien. Das am 26. v. M. eröffnete historische 
Museum der Stadt Wien setzt sich aus der Waffensammlung, der Münzen- und Medaillen- 
sammlung und der Sammlung bildlicher Darstellungen aus der Stadtbibliothek zusammen. 
Ueberdies ist noch eine grosse Zahl anderer auf die Geschichte und das Culturleben 
Wiens bezüglicher Gegenstände in die Sammlung eingereiht. Die erste Abtheilung ent- 
hält Denltmale aus dem St.-Stephansdome so wie auf dem Boden _Wiens gemachte Funde 
aus vorchristlicher und römischer Zeit. Die zweite Abtheilung, Oelgemälde, Aquarelle, 
Stiche u. dgl., sowohl Ansichten von Wiener Baulichkelten als auch Porträts hervor- 
ragender Wiener Persönlichkeiten dar-stellend. Die dritte Abtheilung endlich umfasst eine 
Sammlung solcher Gegenstände, die auf das bürgerliche Leben Bezug nehmen. ln dieser 
Abtheilung sind auch die Erinnerungen an den anlässlich der silbernen Hgchzgif 1h." 
Maiestäten des Kaisers und der Kaiserin im Jahre 1879 veranstalteten Festzug ausgestellt. 
Den Schluss dieser Abtheilung bildet das Grillparzer-Zimmer, das die Hauseinrichtung 
des Dichters in derselben Aufstellung enthält, wie in dessen Wohnung in der Spiegelgasse. 
Für die Redaction venmwonlich : J. Folnelic: und F. Ritter. 
Selbalverlng du k. k. Outerr. Museum! für Kunst und ludumie. 
lnehirncke-rll m. Cul umw. w... u. Wien.
	        

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