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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 4)

in einer stattlichen Reibe von Heften hochst werthvolle Aufnahmen von kunstgewerb- 
lichen Obiecten aller Art auf losen Blättern veranstaltet, denen aber auch hie und da 
solche von Architekturen beigemischt sind. Dem Charakter der Gegenstände entsprechend 
sind die Darstellungen auf sehr verschiedene Art ausgeführt: bald farbig, bald in Sepiaton, 
bald Radirungen. Die Auswahl verdient alles Lob, sie kennzeichnet den verständnisvollen 
Kenner der Kunstgeschichte des Landes und umfasst in vollster Unparteilichkeit alle 
Perioden von der ältesten Zeit bis zum Rococo. Es ist hier nicht der nöthige Raum ge- 
boten, um die Fülle des Gegebenen einzeln durchzusprechen, und kann somit nur darauf 
hingewiesen werden, dass der noch so lückenhaften Kunstgeschichte der osterreichischen 
Länder durch ein Werk wie dieses in der That ein ansehnlicher Dienst geleistet wird, 
denn nur wenige der hier publicirten Obiecte haben bisher irgend eine Darstellung oder 
sonstige Würdigung gefunden und die in dem Werke vereinigte Reihe von interessanten 
Producten der Kunstindustrie in Bühmen gibt nur eine Probe von dern heute - nach 
so vielfachen Beraubungcn - immer noch ungeahnten Reichthum des Vorhandenen. 
Der Text ist den Aufnahmen nur in Form kurzer Notizen beigegeben, welche Zeitalter 
und Provenienz feststellen. Der Herausgeber, welcher weder Archaeoluge noch Kunst- 
historiker ist, darf hiebei nicht getadelt werden, wenn er seine Ansichten bisweilen in 
Gestalt bescheidener Fragen kleidet, die von Seite des Fachmannes in der Regel 
unschwer zu beantworten wüten. - 
Dass z. B. das schone Krystallgefaß lll, 1 der Rudolphinischen Epoche angehört, 
kann keinen Augenblick bezweifelt werden. Der Kelch lll, 8 gehürt bereits der vollen 
Gothilt an, nicht mehr dem romanisch-gothischen Uebergangsstil: die Reliquienkapsel 
lV, 5-6 gehort dem 15., nicht dem 16. Jahrh. an, der kleine Pocal V, 1 hat die Wiener 
Goldschmiedemarke, ist also sicher eine Arbeit aus dieser Stadt; ob das Ciborium V, 
g-to böhmischen Goldschmieden zuzuschreiben sei, mochte ich nicht so sicher be- 
haupten; das Portal vom Schlosse in Pardubitz vom Jahre 1529 dürfte kaum mit Nürn- 
berger Meistern und gar mit Dürer zusammenhängen, vielmehr von eingewanderten 
Italienern herrühren; übrigens zeigt seine Inschrift das Datum 1541. Der Kelch Vl, 2 
hat ganz das Gepräge von Augsburger Arbeit, und ist wohl nicht meine böhmische 
Arbeitu, sondern deutsches Werk. Das Gefäß Vl, 3 scheint Rauchtopas, nicht Bergkrystall 
zu sein. Der berühmte Bronzebrunnen im Schlossgarten am Hradschin, VI, 4-5, ist 
allerdings von Jaroä gegossen, hinzuzufügen wäre aber, dass sein Entwurf von Terzio 
Bergamasco herrührt. Zu der prachtvollen Augsburger Kanne, VI, 6, bemerken wir, dass 
das Zeichen M die dortige Goldschmiede-Familie Mannlicher bezeichnet. Die Casula Vl,6 
schätze ich aus dem 16., nicht 15. Jahrbdt. Ein großes Verdienst hat sich der Heraus- 
geber unstreitig durch die schone Puhlicirung des Schwarzenberg'schen Glaspocals von 
dem berühmten, bisher aber noch durch kein erhaltenes Werk vertretenen Glasschneider 
Caspar Lehmann (1605) erworben, der bekanntlich für Rudolph ll. arbeitete. Ich komme 
nächstens hier auf den Gegenstand zurück. 
Der Thürklopfer aus Bronze, Vll, 10, kommt genau so auch in der kais. Sammlung in 
Wien vor. Dass die Monstranze, Vll, 1:, in ihren Theilen aus verschiedenen Zeiten herrühre, 
ist mir nicht sehr wahrscheinlich, und dass das Gefäß Vlll, 11 ein Geschenk Karl's IV. 
sein soll, scheint mir seltsam, die freie Bogenform der Henkel und das Randornament 
mochten auf eine viel spätere Zeit schließen lassen. Die Monstranze Vlll, n gehört 
nicht dem 14. Jahrhundert, sondern, dem Eselsrückenbogen und dem Astwerk nach zu 
schließen, schon der späteren Gothik des 16. an. Das Glasgefaß Vlll, 13-14 ist nicht 
im Stil der italienischen Renaissance, sondern des einheimischen, schwerfalligen Barock- 
ttils des 17. Jahrhs. Der prachtvolle Lobkowitfsche Aufsatz mit der Diana auf dem 
Hirschen, Serie Il, z, hat nicht hlos in der Rothschild'schen Sammlung und in der Mün- 
chener Schatzkammer Analogien, ein ganz ähnliches Stück bewahrt auch die kaiserliche 
Schatzkammer in Wien. Sehr auffallend ist der gothische Flügelaltar von Raudnitz, lI, 6 
und 50, wegen des ganz italienisch gedachten Triumphzuges Christi, wogegen sonst an 
dieser prachtvollen Reliefstickerei deutsche und van Eyck'sche Motive begegnen, wie der 
Verfasser ganz richtig angibt; die deutsche Inschrift ist aber gewiss fehlerhaft mitgetheit. 
Was die Zeichnungen des Lobkowitfschen Inventars betrilTt, so wäre es uns doch lieber 
gewesen, wenn die Wiedergabe sie uns bei aller ihrer Mangelhaftigkeit facsimilirt dar- 
gestellt hätte. ll, 26 ist kein Kelch, sondern ein profanes Trinkgefäß _der allerspltesten 
Gothik. Wenn bei ll, 41 von niederländischem und deutschem tEinßuss: gesprochen 
wird, im Uebrigen aber von nalter Traditiont, also einheimischem (bbhmischem) Element, 
so muss entgegnet werden, dass gleichzeitige, für die Sternberg gefertigte Miniaturmale- 
reien in der Ambraser-Satnmlung deren deutschen Ursprung über allen Zweifel erhaben 
scheinen lassen, wie ich denn überhaupt in sammtlichen, von Koula gegebenen Publi- 
cationen nirgends etwas speciüsch Böhmisches erblicken kann. Das lntarsiakästchen Il, 47 
(falsch nutnerirt: 49) ist aus dem 17., nicht 16. Jahrh. 
Die vorstehenden Bemerkungen sind Aeußerungen abweichender Ansichten über 
Details der gemachten Angaben von den einzelnen Gegenständen. Es soll damit keines-
	        

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