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Metadaten: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 109)

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dustrie und zwar in den reicheren, mittleren und einfachen Sorten mög- 
lichst vollständig zur Anschauung gebracht werden. Bei Anlage und Ein- 
richtung solcher instructiven Sammlungen, wie sie nur grössere Museen 
und Pachschulen anzuschaffen in der Lage sind, entsteht naturgemäss die 
Frage: welche Classificirung und systematische Eintheilung ist für die 
wissenschaftliche Aufstellung einer solchen Collection von Spitzen, welche 
das Gesammtbild einer vierhundertjährigen lndustrie veranschaulichen soll, 
einzuhalten? Soll dieselbe chronologisch angelegt oder nach den Städten 
und den einzelnen Districten der Anfertigung geordnet werden, oder aber 
soll die Musterung und die Fabricatiousweise der verschiedenen Spitzen- 
gattungen bei der Eintheilung und Anordnung massgebend sein? Aus 
mehreren Gründen gaben wir einer Classif-icirung nach den Dessins und 
den technischen Fabricationsarten unbedingt den Vorzug. Chronologisch 
eine solche Sammlung zu ordnen, geht aus dem Grunde schon nicht an, 
weil man in verschiedenen Perioden sehr häufig die Musterungen und die 
Technik einer älteren Epoche wieder aufgegriffen und mit grosseru Ge- 
schick wieder in Schwung gebracht hat. S0 wurden, um unter den vielen 
nur eine Reproduction von älteren Spitzengattungen hervorzuheben, die 
schönen venetianischen Spitzen aus der spätem Blüthezeit der Republik, 
bekannt unter den: Namen points de rose, in Frankreich unter Louis XIV. 
und in England unter Jacob ll. so täuschend in Technik und Muster 
wieder nachgeahmt, dass man sie von den älteren Original-Spitzen Vene- 
digs und Genua's gar nicht unterscheiden konnte. Auch die Sammlung 
nach den verschiedenen Fabrications-Districten einzutheilen und zu be- 
nennen dürfte deswegen nicht zulässig sein, weil die Spitzen-Klöpple- 
rinnen häufig auswanderten und man in nördlichen Gegenden jene Spitzen- 
muster in derselben Technik, je nach Bedarf der Mode, mit Erfolg nach- 
ahmte, wie sie in südlichen oder westlichen Fabrications-Stätten bereits 
lange Zeit hindurch geübt und angefertigt worden waren. Wir haben es 
desshalb im folgenden Katalog, in Uebereinstimmung mit den Anschauungen 
von Miss Bury Palisser, versucht, die Classilicirung unserer Sammlung 
möglichst auf Grundlage der gleichartigen Technik und der formver- 
wandten Musterungen so durchzuführen, dass dennoch, so viel es angeht, 
die chronologische Aufeinanderfolge nicht ausser Auge gelassen wird. 
Dass die consequente Durchführung dieser letztgedachten Eintheilung und 
Rubricirung oft grosse Schwierigkeiten bereitet, davon ist derjenige am 
besten überzeugt, der längere Zeit hindurch die verschiedenen genera 
und species der Spitzen und Kanten genauer durchforscht hat und dem 
es dabei klar geworden ist, dass auch bei den sorgfältigsten Vergleichungen 
der vielen Spielarten von durchbrochenen Weisszeugarbeiten manche 
Spitzensorten vorkommen, die sich nun einmal nicht nach ßxirten Nor- 
men eintheilen und rubriciren lassen. Wir geben die HoEnung nicht 
auf, dass bei Anlage und Aufstellung ähnlicher grösserer Sammlungen in 
nächster Zeit und bei Fortsetzung der erst begonnenen Vorstudien über
	        

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