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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 5)

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besitzt, Bedeutung beizulegen, aber die beiden Schilde österreichischer 
Geschlechter beweisen, dass das in Rede stehende Glas mit den Schwarzen- 
berg und mit Lehmann's Aufenthalte in Prag gar nichts zu thun habe. 
Wir wissen aber, dass der Meister auch in Wien gelebt haben soll, Wolf 
Sigmund von Losenstein stand in Diensten des Kaisers, - es kann sich 
also auch ein österreichischer Herr in Wien oder sonstwo mit einer Be- 
stellung an den Künstler gewendet haben. Sei dem aber wie ihm wolle: 
mit böhmischer Kunst hat dieses Gefäß und hat sein Urheber gewiss 
nichts zu thun; seine Technik ist italienisch, seine Stilweise deutsch. 
llg. 
Casa Farnesina. 
(Das antike, im Gar-tengrund der Villa Farnesina 1879 aufgefundene HausJ 
Von Prof. Dr. Josef Bayer. 
(Schluss) 
Unser junge Architekt war zunächst darauf bedacht, jene Details 
zu reproduciren, welche die formalen Elemente des decorativen Arrange- 
ments bilden _ und diese Aufgabe löste er nahezu vollständig. Für die 
größeren Stuccobilder von gegenständlichem Interesse, die sich zwischen 
jenem reizenden Zierwerk hinbreiten, muss man die damals aufgenom- 
menen Photographien heranziehen. 
Wir finden da einerseits bacchische Scenen, zum Theil mit Humor 
vorgetragen, Opferweihen und hochedle, mythologische Darstellungen, 
andererseits Landschaften mit allerlei Baulichkeiten und sehr belebter 
StaFfage im Mittel- und Vordergrunde. In den ganz auserlesenen Bildern 
der ersteren Art kündigt sich ein voller, reinster Nachklang des plasti- 
schen Reliefsstils der besten Blüthezeit an. Dagegen regt sich in den 
landschaftlichen Schildereien ein ausgesprochen malerischer Zug: hier 
wird die Bildnerei der Spachtel zu einem tastenden Malen. Und wohl darf 
man es sagen, dass dieses Kunstwerkzeug, welches den Stuccoteig mit 
leiserem oder stärkerem Drucke knetet, an dieser Stelle dem Pinsel geradezu 
den Vorsprung in der ersten Lösung des Landschaftsproblems abgewonnen 
hat. Der Versuch, die Terrainbildung zu markiren und sich mit der Per- 
spective abzuf-inden, ist naiv, aber in der Naivetät doch geistreich. Die 
Bäume sind mehr auf ihr Stamm- und Aesteskelett, als auf das Laub- 
werk hin angesehen; die Garten-Architekturen, die Pavillons, die Thürme 
mit Fensterkränzen und Kuppeln, die phantastischen Zierbauten mit 
Vasenaufsätzen als points de vue, ein kräftiger Telamon unter einem 
Gebälkrand, der einen Adler auf der ausgestreckten Hand wiegt, dann 
wieder lange, schräg hingeschobene Pfeilerfronten, von schlanken Rund- 
thürmchen fiankirt, und anderswo kühn gespannte Brückenbogen mit 
Statuen - dieses ganze architektonische Potpourri mit den wohlvertheilten, 
an richtiger Stelle sich hinlehnenden oder wandelnden Figuren trägt
	        

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