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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 5)

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Katalog der Ornamentstichsammlung des Oesterr. Museums für Kunst und 
Industrie, Erwerbungen seit dem Jahre tS7i, bearbeitet von Franz Ritter; 
- Die ägyptischen Textilfunde im k. k. Oesterr. Museum. Allgemeine 
Charakteristik und Katalog von Alois Riegl - der huldreichsten An- 
nahme für die k. k. Familien-Fideicornmissbibliothek zu würdigen geruht. 
- Se. Excellenz der Minister' für Cultus und Unterricht hat mittelst 
Erlasses vom 26. v. M. (Zahl 6097) die Direction des Museums beauf- 
tragt, dem Regierungsrath Bruno Bucher, dem Bibliothekar-Scriptor 
Franz Ritter und dem Custos-Adjuncten Alois Riegl seine volle Aner- 
kennung für die Mitwirkung der Genannten au den oben erwähnten 
Publicationen des Museums auszusprechen. 
Jubiläums-Ausstellung. Se. kais. Hoheit der durchl. Herr Erz- 
herzog Rainer und Ihre kais. Hoheit die durchl. Frau Erzherzogin M arie 
haben Samstag den 27. April Nachmittags, - Se. kais. Hoheit der durchl. 
Herr Erzherzog Karl Ludwig Montag den 29. April Vormittags die Aus! 
stellung des Museums und des Wiener Kunstgewerbe-Vereines mit einem 
längeren Besuche beehrt. 
- Der Katalog der Gesammt-Ausstellung ist im Verlage des Mu- 
seums erschienen. (Preis 20 kr.) 
PGTBOHBJJIEOIIHOIIK Mittwoch den 8. Mai starb der Curator des 
k. k. Oesterr. Museums und ehemalige Banquier Herr Adalbert Ritter 
v. Zinner. Das Oesterr. Museum verliert in ihm einen warmen Freund, 
der stets bereit war, seine Interessen in jeglicher Weise zu fördern und 
schuldet ihm eine dankbare Erinnerung. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
April von tl.94o , die Bibliothek von 1334. Personen besucht. 
Vorlesungen. Am 24. Januar sprach Vice-Director Maler August Schaeffer 
sUeber Landschaftsmalereh. 
Nach Vorsusschickung einiger einleitender Worte über Wesen und Bedeutung der 
Landschaftsmalerei Oberhaupt, weist der Vortragende auf ihre ersten Anfange in antiker 
Zeit hin, bespricht sodann in Kürze die der späteren, römischen Epoche angehörenden 
Odysseelandschaften sowie überhaupt die auf uns gekommenen Reste antiker Landschafts- 
malerei in ihrer Gegenüberstellung zur Kunst unserer Tage, um sodann auf den Beginn 
landschaftlicher Darstellungen it-. der christlichen Kunst uberzugehen, woselbst allmalig 
vom sterilen Goldgrunde Umgang genommen wird und an dessen Stelle theils architek- 
tonische oder landschaftliche Hintergründe angebracht erscheinen. Schon in der ersten 
Hälfte des I5. Jahrhunderts zeigen die Darstellungen der Bruder van Eyclt die minu- 
tioseste Vollendung landschaftlicher Gründe; ihre Auffassung und Darstellungsart wird 
für die Meister ihrer Zeit fast typisch. 
Zur ersten Selbständigkeit gelangt die Landschaftsmalerei in den Niederlanden um 
1500 durch die Meister Patenier und Bles, welche in einer Reihe von Bildern die Land- 
schaft zur Hauptsache machten und die figuralen Darstellungen darin auf Statfagengroße 
reducirten. Höchst bedeutungsvoll wird sodann für die weitere Entwickelung der Land- 
schaftsmalerei, namentlich aber in naturalistischer Richtung, Peeter Brueghel, der Stamm- 
vater und Huuptmeister dieser lvlalerfamilie und ihrer Anhänger; derselbe vereinfacht 
die sich bisher in üppiger Phantasie ergebenden landschaftlichen Darstellungen, und 
bringt auch das jeweilige Stirnmungsmoment in der Natur zu voller Geltung. Der von 
den BruegheYs, Savery, Vinck-Bonns u. s. w. ausgehenden Richtung und Art der land- 
schaftlichen Auffassungfolgt eine außerst zahlreiche Gruppe von Meistern, bis durch 
Paul Bril endlich der mächtige Einfluss ltaliens auch in der Landschaftsmalerei zur 
Geltung gelangt und zu Beginn des r7. Jahrhunderts die Bluthezeit des niederländisch- 
hollandischen Naturalismus ersteht, der sich in die Erscheinungswelt vertiefend, zugleich 
die fur alle Zeiten unentwegt bestehenden Gesetze für Form, Farbe und Lichtvertheilung 
sowie für geistigen Aufbau und Stimmung bewahrt, und so in einer wahrhaft glanz- 
vollen Reife und malerischen Entwickelung in den Werken der van Gnyen, Ruisdael, 
Hobbema, Everdingen, Rembrandt u. s. w. zu Tage tritt. 
In Italien, nimmt man schon bei Giotto die Bestrebungen wahr, den figuralen 
Darstellungen landschaftliche Grunde zu geben. Eine Reihe von nachfolgenden Meistern
	        

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